Watchberlin.de : Metropole zum Anklicken

Das Internet-Portal „Watchberlin“ porträtiert die Stadt und ihre Bewohner. Stars verraten kleine Geheimnisse. Und Rolf Eden ist mal solo zu sehen.

Sebastian Leber
Broder
Undercover. Henryk M. Broders Beiträge beleben jedes Kaffeekränzchen. -Foto: promo

Da, wo die Schöneberger Akazienstraße auf die Apostel-Paulus-Straße trifft, hat „Mein Führer“-Regisseur Dani Levy alles, was er zum Leben braucht: ordentlich Großstadt-Flair, ein schönes Café („so’ne Mischung aus Nostalgie und abgewrackt“) und den Laden mit seinen Lieblings-Croissants („99 Prozent Butter, ein Prozent Weizen“). Ganz oben in dem einen roten Haus wohnt die beste Freundin seiner Tochter. Was will man mehr?

Das alles verrät Dani Levy in einem achtminütigen Video, seinem persönlichen Kiez-Spaziergang – zu finden auf der Internetplattform www.watchberlin.de. Seit einem halben Jahr gibt es dort aktuelle Videoclips mit Berichten über Berlin und seine Bewohner. Jeder kann auf die Seite klicken und die Filme kostenlos ansehen.

Die Macher des Projekts sitzen in einem Bürogebäude in der Schützenstraße in Mitte, acht Leute gehören zum festen Kern. Inzwischen finden sich auf der Plattform mehrere hundert Filme, es gibt Buchkritiken, Stadtrundgänge und einen bildgewaltigen Nachruf auf den verstorbenen Berliner Stadtbären Thilo. In der Rubrik „Icke“ werden Berliner Originale vorgestellt, zum Beispiel Waltraud Ziervogel, geborene Konnopke, Currywurst-Ikone aus Prenzlauer Berg. Die Rubrik komme besonders bei den Internet-Nutzern außerhalb Berlins gut an, sagt Faruk Hosseini, Redaktionsleiter von Watchberlin. Dazu gibt es eine Menge Interviews mit prominenten Berlinern. Erstaunlich ist, wie viel diese von sich preisgeben. Da werden Details verraten, die Promis in Fernsehinterviews wahrscheinlich für sich behalten würden. Autor Wladimir Kaminer erklärt, wie ein Stall voller Kaninchen sein Leben verändert hat. Und Deutschlands erste Hiphop-Produzentin Melbeatz – bürgerlich Melanie Wilhelm – verrät, warum sie heute weiblicher aussieht als vor ein paar Jahren. „Früher hatte ich viel zu viel zu tun“, sagt sie, zum Beispiel Marihuana rauchen und mit Jungs abhängen. Da blieb keine Zeit zum Schminken.

Von Henryk M. Broder ist man offene Worte sowieso gewohnt. Unkorrekt und bitterböse wie immer kommentiert er auf Watchberlin regelmäßig aktuelle politische Ereignisse. Mal freut er sich auf den Weltuntergang, mal erklärt er Öko-Sparlampen für „ausgemachten Humbug“ und behauptet, der Klimawandel sei noch gar nicht bewiesen. Oder er sitzt, mit Palästinenser-Tuch um den Kopf gebunden, vor der Kamera und beschwert sich, dass die deutsche Geisel Hannelore Krause im Irak offensichtlich durch eine Geldzahlung der Bundesregierung befreit wurde. Wenn demnächst nun jemand in Neuseeland einen Unfall habe und behaupte, er habe beim Autofahren die Deutsche Welle gehört: „Wird dann auch die Bundesregierung für die Kosten dieses Unfalls aufkommen?“

„Jeder, dem ein Video nicht passt, kann ja online seinen Kommentar drunterschreiben“, sagt Redaktionsleiter Hosseini. Unter Broders Beiträgen findet man immer viele Einträge. Unter denen von Michel Friedman auch, der Moderator ist ebenso regelmäßig auf Watchberlin zu sehen wie Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff und Autor Harald Martenstein.

Die Rubrik „Mein Kiez“, in der Dani Levy durch Schöneberg führt, wird übrigens fortgeführt. Als nächstes zeigen unter anderem Schauspielerin Alexandra Maria Lara („Der Untergang“) und Kunstförderer Peter Raue ihr Viertel. Und auch die Privatführung von Rolf Eden ist schon im Kasten. Man werde den 77-Jährigen auf Watchberlin ganz anders erleben wie sonst bei seinen Auftritten im Privatfernsehen, verspricht Redaktionsleiter Hosseini. Nämlich ausnahmsweise nicht in Begleitung junger Mädchen, „bei uns gibt es Rolf Eden ohne Klischees“. Na gut, ganz ohne geht’s nicht: Bei den Dreharbeiten auf dem Kurfürstendamm hatte Eden seinen Rolls-Royce dabei.

Das Portal im Internet: www.watchberlin.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar