Weihnachten woanders : Feuriges Fest

Zitronenbäumchen und Christsterne statt Tanne: In Nicaragua beginnt zu Weihnachten der Sommer. Gefeiert wird laut mit Böllern, aber auch still – mit nächtlichen Prozessionen.

Eva Kalwa
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Feliz navidad. Karla Beteta, die Geschäftsträgerin der nicaraguanischen Botschaft am Weihnachtsaltar.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Sonne scheint. 25 Grad, ein milder Wind weht. Überall beginnen Jasminsträucher, Christsterne und Hibisken zu blühen. Nur einige mit Baumwolle geschmückte Zitronenbäume deuten darauf hin, dass in Nicaragua die Weihnachtszeit begonnen hat. „Es ist herrlich dort im Dezember, deswegen haben alle Menschen gute Laune“, sagt Karla Beteta, Geschäftsträgerin der Botschaft Nicaraguas in Berlin.

Richtig los geht es mit der Feststimmung in Nicaragua aber nicht erst am Heiligabend, sondern bereits am 7. Dezember. An diesem Tag wird in dem mittelamerikanischen Land zwischen Pazifik und Atlantik Mariä Empfängnis gefeiert. Man nennt das Fest „Gritería“, also: „Geschrei". Denn vor allem ist man fröhlich und laut, zieht singend durch die Straßen und zündet in den Gärten als Ausdruck der Freude laute Knaller und Raketen. Auch Weihnachtsbäume sind bereits geschmückt, oftmals sind es die Zitronenbäumchen im eigenen Garten. Zu Ehren der Gottesmutter werden Nachbarn und Freunden kleine Geschenke gemacht. „Mein Mann und ich feiern in Berlin mit unseren beiden Kindern ebenfalls die Gritería. Wir zünden bunte Raketen und essen Süßigkeiten aus Maismehl“, sagt Karla Beteta in perfektem Deutsch. Seit gut sechs Jahren wohnt sie mit ihrer Familie in Deutschland, die Kinder Juan-Pablo (7) und María-José (5) wachsen zweisprachig auf. Beteta erzählt den beiden viel über die Kultur ihres Herkunftslandes, auch über die Weihnachtsbräuche.

Dazu gehören die familiären und nachbarschaftlichen Prozessionen zu den vielen Gottesdiensten für das Jesuskind. Sie beginnen neun Tage vor Heiligabend, oftmals morgens früh um vier Uhr. „Diese Pastorelas haben mich als Kind sehr geprägt. Es war wunderschön, so früh am Morgen unter dem Sternenhimmel gemeinsam zur Kirche und um sechs Uhr wieder nach Hause zu gehen, wenn es hell war und die Vögel zwitscherten.“

Die 33-Jährige stammt aus einer Künstlerfamilie, der Onkel war Dichter und ihr Vater Maler. Jedes Jahr zu Weihnachten malte er in seinem Atelier, gut verborgen vor den neugierigen Augen Karlas und ihrer drei jüngeren Geschwister, ein neues Krippenbild. „Manchmal hat er uns Kinder oder unsere Mutter mit hineingemalt. Das war sehr aufregend.“

Die künstlerischen Traditionen ihrer Familie und Werte wie Nächstenliebe, Versöhnung und Freundschaft möchte sie auch zur deutschen Weihnacht leben. Daher gibt sie zusammen mit ihrer Familie und Freunden nun seit vier Jahren am 25. Dezember ein Benefizkonzert, immer in einer anderen Kirche. In diesem Jahr findet das Konzert unter dem Motto „Navidad meets Weihnachten“ um 18 Uhr in der Pfarrkirche St. Joseph in Siemensstadt statt. Die Spenden gehen an ein Seniorenheim in Nicaragua.

Die Tage um den Jahreswechsel sind für Beteta nicht nur wegen dieses Konzerts eine sehr geschäftige Zeit: Zwischen Heiligabend und Silvester feiert sie Hochzeitstag und den Geburtstag ihres Sohnes, direkt zu Beginn des neuen Jahres ihren Geburtstag und den ihres Mannes. Warum haben sie auch noch ausgerechnet am 27. Dezember geheiratet? Karla Beteta lacht: „Sehr viele Paare in Nicaragua tun das um Weihnachten. Es ist einfach die schönste Zeit des Jahres!“

Haben Sie Lust auf einen Botschaftsbesuch zu Dreikönig im neuen Jahr? Karla Beteta, Geschäftsträgerin der Botschaft Nicaraguas in Berlin, öffnet die Vertretung in Tiergarten, Joachim-Karnatz-Allee 45 (Nähe Schloss Bellevue) für eine Gruppe von Tagesspiegel-Lesern am Dienstag, 6. Januar, 16 Uhr. Auf dem Programm stehen ein kleiner Empfang und Gespräche bei Tee, Weihnachtstorte mit Rum und auch alkoholfreiem Gebäck. 10 Erwachsene plus Kinder können dabei sein, der Tagesspiegel verlost die Plätze. Bewerbungen nur per E-Mail unter verlosung@tagesspiegel.de (Stichwort „Nicaragua“). Einsendungen werden berücksichtigt bis Samstag, 20. Dezember, 12 Uhr. Wichtig: Vor- und Zuname, Adresse, Geburtsdatum und Geburtsort nennen, dies wird für die Anmeldung bei der Botschaft benötigt.

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