Weihnachtsmärkte : Apfel, Nuss und Mandelkern

Die Saison der Weihnachtsmärkte hat begonnen. Für jeden Geschmack wird etwas geboten, von nostalgisch bis multikulturell.

Andreas Conrad,Rita Nikolow
weihnachtsmarkt
Glitzernde Nostalgie. Der Weihnachtsmarkt rund ums Opernpalais Unter den Linden gehört seit Jahren zu den schönsten in Berlin. -Foto: Sinkel/ddp

Zu Hause ist das erste Türchen des Adventskalenders noch nicht geöffnet, doch der kleine Jonas ist schon in Weihnachtsstimmung. Selig hat er auf dem Kinderkarussell die erste Runde der Saison gedreht, während sich sein Vater Jürgen Sander mit einem Glühwein wärmte. Später werden sie vielleicht noch den nahen Streichelzoo besuchen oder eine Runde auf der Schlittschuhbahn wagen.

Wie überall in der Stadt hat auch vor dem Roten Rathaus die Zeit der Weihnachtsmärkte begonnen, der lichtergeschmückten Tannenbäume, der Lebkuchenberge, der Holz- und Keramikengel, des rotnasigen Rentiers Rudolph und seines weißbärtigen Herren – aber auch die der Chinapfannen, Biertresen, Riesenräder. „Man muss dem berlinischen Erfindungsgeist eingestehen, dass er alle Kunst angewendet hat, den Käufern das Geld aus dem Beutel zu locken“, klagte schon um 1790 ein Chronist über das Treiben auf dem Weihnachtsmarkt an der Breiten Straße. Manch einer, der in diesen Wochen über die mit Buden aller Art vollgestellten Straßen und Plätze schlendert und vergebens die oft beschworene Besinnlichkeit der Adventszeit sucht, wird es ihm gleichtun. Allerdings, selbst hier gilt das Wort des Alten Fritz, ein jeglicher möge nach seiner Fasson selig werden. Und das ist, auf den Adventsspaß gewendet, gerade in Berlin leicht, ist doch keineswegs jeder Weihnachtsmarkt wie der andere. Im Gegenteil, die Vielfalt der Stadt gilt auch unterm Christbaum.

Selbst Nostalgiker kommen zu ihrem Recht, wenngleich sie die Urform der Christbaumkugeln – die Ende des 18. Jahrhunderts in Berlin populären vergoldeten Kartoffeln – vergeblich suchen dürften. Aber gerade das Markttreiben rund ums Opernpalais setzt seit jeher auf traditionelles Ambiente, was übersaisonale Vergnügungen nicht ausschließt. Man will ja nicht nur die Auslagen der dort versammelten Kunsthandwerker aus Deutschland und Tschechien bestaunen. Auch der Gendarmenmarkt wird wieder sein Stammpublikum anlocken, das dort seit jeher auch mit Akrobaten, Tanzgruppen und Musikern wie denen des Salonorchesters Berlin unterhalten wird und mit ausstellenden Malern, Grafikern, Fotografen, Bildhauern ins Gespräch kommen kann.

Mit einer etwas anderen Stimmung ist schon wegen der elf Karussells, davon sechs speziell für Kinder, beim Weihnachtsmarkt am Platz der Nationen in Friedrichshain zu rechnen, ebenso beim Lucia-Markt in der Kulturbrauerei, wo es sogar ein Bungee-Trampolin gibt. Global geht es in den Dahlemer Museen zu, dort sind etwa Stoffe aus Afrika, Schmuck aus Indien oder Filzwaren aus Kasachstan zu erwerben. Manche Märkte dienen sogar einem guten Zweck, und wem Berlin trotz der kaum überschaubaren Vielfalt nicht genug ist – Potsdam und sein Krongut Bornstedt sind nicht weit. Dort sollen sogar 300 Weihnachtsbäume stehen, eine schöne Idee für Eltern, die endlich mal in Ruhe ihren Glühwein genießen wollen: „Kinder, zählt doch mal die Bäume.“

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