Weihnachtsmärkte in Berlin : Zeit zum Vorglühen

Endlich beginnt die Saison der Weihnachtsmärkte – 60 Stück sind es in diesem Jahr in ganz Berlin. Wir verraten, welche neu sind, und wo sich ein Besuch besonders lohnt.

Sebastian Leber
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Potsdamer Platz. So ein Rummel. -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

BerlinDie Frau vom Glühweinstand ist genervt. Bei ihr stehen 20 Menschen gleichzeitig an. So schnell, wie hier getrunken wird, komme sie mit dem Einschenken nicht hinterher, sagt sie. "Das kommt daher, dass wir wieder die Ersten sind. Wir haben Berlins Glühwein-Monopol.“ Zum Glück nicht mehr lange: Nach der Winterwelt am Potsdamer Platz wird Anfang nächster Woche eine Reihe weiterer Weihnachtsmärkte öffnen, 60 sind es dieses Jahr insgesamt.

Obwohl der Markt am Potsdamer Platz bei seiner erstmaligen Eröffnung vor drei Jahren von vielen Besuchern noch belächelt wurde – den einen war er zu klein und lieblos, den anderen zu teuer –, hat er sich längst zur festen Institution gemausert: Mehr als 2,5 Millionen Menschen haben ihn letztes Jahr besucht. Außerdem hat er die 70 Meter lange Rodelbahn – das bietet sonst niemand.

Andere Märkte haben ihre eigenen Strategien, aus der Masse der Angebote hervorzustechen: Der auf dem Schloßplatz hat ein 40 Meter hohes Riesenrad aufgestellt, auf dem Öko-Adventsmarkt am Kollwitzplatz kann man Bioweihnachtsgänse aus garantiert artgerechter Haltung bestellen. Der "Markt der Kontinente“ in den Museen Dahlem, der diesen Sonnabend öffnet, verzichtet auf deutsche Glühweinästhetik und verkauft stattdessen Kunsthandwerk aus Afrika, Asien und Amerika. In der Spandauer Altstadt wird direkt vor der Nikolaikirche eine Krippe mit lebendigen Tieren aufgebaut, der "alternative Weihnachtsmarkt“ am S-Bahnhof Friedrichshagen verzichtet auf jeden Einsatz von Elektrizität und kann deshalb nur tagsüber öffnen.

Der Lucia-Markt in Prenzlauer Berg ist gleich in vielerlei Hinsicht einmalig: Zwischen den Backsteinmauern der Kulturbrauerei wirken die Handwerksstände besonders stimmungsvoll, es gibt Feuerkünstler und Pantomimen, aber auch Trampolinanlagen. Und nur hier findet man die mobile Sauna: Reicht der Glühwein zum Aufwärmen nicht, darf man in der Holzkiste bei 90 Grad schwitzen.

Es gibt in dieser Saison auch einige ganz neue Märkte. Der spektakulärste wird gerade direkt vor dem Schloss Charlottenburg aufgebaut. Die Veranstalter planen mit rund 250 Ständen und aufwändigen Dekorationen. Und sie verfolgen ein ehrenwertes Ziel, das manchen anderen Marktbetreibern der Stadt ebenfalls gut tun würde: Auf dem gesamten Gelände soll es keinen einzigen Stand geben, der Kitsch und Schund verkauft. Und nirgendwo soll einem übersüßter Glühwein ins Glas geschüttet werden. Damit die barocke Schlosskulisse in den kommenden Wochen noch imposanter wirkt als sonst, wurde der Lichtkünstler Andreas Boehlke verpflichtet. Im Rahmen des "Festival of Lights“ hat der schon den Dom und das Brandenburger Tor in Szene gesetzt.

Einen weiteren neuen Markt wird es in der Schloßstraße vor dem Forum Steglitz geben. Der besteht zwar nur aus 20 Holzhütten, hat aber ein ungewöhnliches Angebot: "japanische Weihnachten“. Man kann Origami falten, Mangas zeichnen und Go spielen. Ähnlich multikulturell geht es auf dem nordischen Weihnachtsmarkt in Tegel zu. Die Veranstalter lassen Bewohner der finnischen Kleinstadt Kärsämäki einfliegen – und die wiederum servieren Elchfleisch, echten Holz-Flammenlachs und finnischen Grog.

Einen noch exotischeren Import kann höchstens der Markt in Lichtenberg vorweisen: Er fliegt Jürgen Drews, den selbsternannten "König von Mallorca“, ein. Frieren wird dort sicher niemand, der Schlagerbarde hat, wie er selbst gerne zu Protokoll gibt, mit seinem Gesang "bisher noch jeden zum Partymachen gebracht“.

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