Weihnachtsmarkt : Stille Nacht

Kein Eintritt – und doch kein Umsatz: Händler am Gendarmenmarkt klagen über zu wenig Kundschaft.

Bernd Matthies
Gendarmenmarkt
Herrliche Kulisse. Doch Betreiber mehrerer Stände am Gendarmenmarkt klagen über Umsätze nahe Null. -Foto: ddp

Das neue Konzept für den Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt scheint nicht aufzugehen. Die Betreiber mehrerer Stände klagen über Umsätze nahe Null – es sind überraschenderweise jene, die außerhalb der Innenzone liegen und anders als in den Vorjahren für jeden Passanten frei zugänglich sind. Das Betreten des inneren Bereichs kostet wie bisher einen Euro pro Person.

Beate Vahldieck, die einen Stand an der frei zugänglichen Nordostecke des Platzes gemietet hat, um dort ihre selbstgemachte Schokolade zu verkaufen, berichtet von einem Tagesumsatz von 40 Euro: „Wir haben mal gezählt, es sind innerhalb von vier Stunden 35 Menschen vorbeigekommen – Menschen, nicht etwa Kunden.“

Verschärfend kommt hinzu, dass ausgerechnet jetzt Straßenbauarbeiten an der Ecke Markgrafenstraße stattfinden. Lärm und Staub breiten sich tagsüber vor allem über den ohnehin schon gebeutelten Ständen aus.

Helmut Russ, der Marktbetreiber, bestätigt die Situation. Ein Händler habe seinen Stand am Montag früh bereits eingepackt, sagt er. Mit den anderen aus der Außenzone habe man am Morgen ein Krisengespräch geführt. Ursache der Probleme ist die Entscheidung des Bezirksamtes, das das Sondernutzungsrecht für den Platz in diesem Jahr erstmals mit einer Auflage verbunden hat: Zumindest ein Teil des Marktes sollte frei zugänglich sein. Außerdem wollte man erreichen, dass der Markt nach außen einsehbar ist und nicht mehr wie früher komplett durch Planen blickdicht abgeschottet.

Beide Wünsche erfüllte der Betreiber – und sieht sich nun in der paradoxen Situation, dass die Maßnahmen das Gegenteil des Beabsichtigten erreicht haben. Die Besucher nehmen die Außenzone offenbar überhaupt nicht an und fühlen sich drinnen hinter den Absperrungen wohler – dort laufen die Geschäfte wie immer, vor allem die Gastronomiezelte sind gut gefüllt. Für Russ ist die Lage klar: Er will helfen und möglichst wieder alle Stände in den abgesperrten Bereich einbeziehen, kann aber ohne die Zustimmung des Bezirksamtes nicht tätig werden. Er sagte, er werde sich mit dem zuständigen Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gothe in Verbindung setzen, um zu retten, was zu retten sei. Gothe war gestern nicht im Haus und nicht erreichbar; es hieß aber, das Problem sei im Bezirksamt noch nicht bekannt.

Für Beate Vahldieck ist jeder Tag entscheidend: „Selbst wenn sich etwas ändert, wird das sicher bis zum Wochenende dauern, und dann kann es schon zu spät sein.“ Sie zahlt nicht nur Pacht, sondern hat auch beträchtliche Investitionen getätigt, und sie fürchtet nun den Ruin, wenn das Geschäft nicht sofort anzieht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben