Weihnachtszirkus : Spektakel statt Spekulatius zum Fest

Die Stunde der Clowns: Immer wenn das Christfest naht, beginnt auch die Saison für die großen und kleinen Weihnachtszirkusse. Tipps zu Roncalli & Co.

Christoph Stollowsky
WIRECENTER
Baumeln lassen. Zirkus Roncalli gastiert im Kreuzberger Tempodrom. -Foto: promo

Als Harry Piel 1938 im Zirkus Sarrasani in Dresden seinen Manegen-Spielfilm „Menschen, Tiere, Sensationen“ drehte, inszenierte er rund um ein Liebesdrama waghalsige Trapeznummern und gefährliche Raubtierdressuren. An den Weihnachtsmann dachte der Schauspieler und Regisseur dabei gewiss nicht. Gleichwohl lieferte Piel mit dem eingängigen Titel des Films die Vorlage für eine Berliner Weihnachtstradition: Seit den ersten Nachkriegsjahren gehört der Weihnachtszirkus „Menschen, Tiere, Sensationen“ zu den beliebtesten Adventsvergnügungen in Berlin.

Alle Jahre wieder fesselte die Zirkusschau in der Deutschlandhalle am Messegelände Zehntausende, bis sie vor zehn Jahren in ein Zelt auf dem Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm umzog. Dort ist das Spektakel der „M-T-S-Circusproduktion“ auch in diesem Jahr wieder zu sehen, vom 21. Dezember bis 4. Januar – angekündigt mit vielen Superlativen, denn die Konkurrenz ist groß. Im Tempodrom spielt der Roncalli-Weihnachtszirkus vom 18. Dezember bis 4. Januar, am Olympiastadion gastiert der „Berliner Weihnachtszirkus“ vom 18. Dezember bis 11. Januar – auch diese beiden versprechen, die Berliner „zu verzaubern.“ Außerdem gibt es noch mancherlei andere Varieté- oder Zirkusprogramme für Kinder und Erwachsene, beispielsweise im Zirkus Cabuwazi oder im Tipi-Zelt, speziell eingestimmt auf jene Wochenenden, an denen man sich gerne etwas Besonderes gönnt.

Zum Beispiel den Anblick der „vielen vierbeinigen Stars“, die im Zelt auf Berlins Festplatz diesmal im Mittelpunkt stehen. Tiger, Bären, Giraffen, Zebras, Nashörner und Elefanten sind angekündigt. Zugleich sollen die Pferdeshows der Kaiserzeit mit Schimmelherden oder Jonglagen zu Pferde wieder aufleben und „an die Glanztage der alten Berliner Zirkuskönige Renz oder Busch erinnern“.

Bei „Roncalli“ ist eine Clownslegende die Attraktion Nummer 1: Der Schweizer Spaßmacher Pic lässt seine „poetischen Seifenblasen“ durch die Manege schweben. Zuvor werden „menschliche Kanonenkugeln“ verschossen, gibt es „Sensationen auf dem Hochseil“ zu sehen oder magische Diabolos. Die geplante Seelöwennummer wurde nach einem Streit um deren angeblich nicht artgerechte Haltung wieder gestrichen, nun sollen Flusspferde kommen. Roncalli-Direktor Bernhard Paul gastiert mit seinem Zirkus schon zum fünften Mal im Tempodrom.

Einen Traditionsort hat sich auch der „Berliner Weihnachts-Circus“ des Zirkusunternehmens „Voyage“ erspielt. Er baut zum 15. Mal sein Zelt am Olympiastadion auf. Aus St. Petersburg kommen die „Flying Brusnikins“ mit einem dreifachen Salto an die Spree, beim „großen Afrika-Schaubild“ sind Flusspferd Jedi und Nashorn Hulk die Stars und mit ihrer Trampeligkeit mindestens genau so unterhaltsam wie die Clowns aus Tschechien.

Zum Manegenzauber im Advent „von Kindern für junge und jung gebliebene Berliner“ lädt Berlins größter Kinderzirkus Cabuwazi in seine Zelte in Kreuzberg, Treptow, Altglienicke und Marzahn ein. In Kreuzberg entspringen verrückte Wesen Merlins Zauberkessel im Stück „Der zaurikutuseintradiabolische Wunschpunsch“, in Treptow dreht sich die Show „Wir sind Berlin“!“ ums Multikulti-Miteinander, in Altglienicke fliegen böse Feen durch die Manege, in Marzahn gibt es gleich zwei Aufführungen von Kindern und Jugendlichen: „Der gezauberte Weihnachtsmann“ und „da capo“.

Auch das Berliner Ensemble (BE) und der „Wintergarten“ bieten Kinder- und Familienspaß. Am BE kann man die „Schule mit Clowns“ von F.K. Waechter erleben, im Wintergarten ein artistisches Musical, das an Johanna Spyris Kinderklassiker „Heidi“ anknüpft: „Heidi sucht den Schnee“. Das Kontrastprogramm für Ältere liefert das Kabarett „Malediva“ in der Bar jeder Vernunft. „Lebkuchen“ heißt ihr Weihnachts-Special für alle, „die den Advent weniger rührselig erleben wollen“. Von Malediva kann man sich dann wieder im Tipi erholen. Dort setzt Soulsängerin Jocelyn B. Smith auf die Romantik klassischer Weihnachtslieder.

0 Kommentare

Neuester Kommentar