Weiße Rose : Mut zur eigenen Courage

Popstars und Politiker lasen aus Flugblättern der Weißen Rose.

Daniela Martens
Integration
Mutmacher. Andreas Nowak und Stefanie Koß von "Silbermond" und Schülerin Zehra Gögce in der Sophie-Scholl-Schule. -Foto: Rückeis

Durch die Lindenblätter weht ein sanfter Wind. Die Vögel zwitschern. Es gibt Kuchen und Musik. Idylle pur, hier auf dem Schulhof der Sophie-Scholl-Oberschule in Schöneberg. Und doch geht es an diesem Donnerstagnachmittag um Krieg, Verfolgung und Tod: „Wir schweigen nicht, wir sind euer böses Gewissen“, liest Andreas Nowak, Schlagzeuger der Band Silbermond. „Trennt euch von dem nationalsozialistischen Untermenschentum“, fährt Sebastian Krumbiegel von der Band „Die Prinzen“ fort. Die beiden Musiker sitzen mit Schülern auf großen Steinen und lesen aus den Flugblättern, die Sophie Scholl und die anderen Mitglieder der Weißen Rose 1942 und 43 verteilten.

Für die Lesung gibt es an diesem 8. Mai eine ganze Reihe von Gründen: Jahrestag des Kriegsendes. Und der Tag vor Sophie Scholls Geburtstag: Am Freitag wäre sie 87 Jahre alt geworden, wäre sie nicht 1943 gemeinsam mit ihrem Bruder Hans von den Nazis ermordet worden. Außerdem ist es der fünfte Geburtstag der Internetplatform www.mut-gegen-rechte-gewalt.de. Aus diesem Anlass ist auch ein „Handbuch gegen Rechtsextremismus“ erschienen, das an die Schüler im Publikum verteilt wird.

Nicht zuletzt wird die SophieScholl-Schule und die Internetplattform als „Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist ein weiterer prominenter Gast: „Wir müssen darüber nachdenken, ob wir die NPD verbieten, damit wir nicht die bezahlen, die gegen die Demokratie sind“, sagt er. Die Schüler im Publikum applaudieren. Und Stefanie Kloß von Silbermond erzählt, dass sie bei ihren Konzerten zu den Fans sage: „Lasst euch nicht davon beeindrucken, wenn euer Onkel für die NPD wirbt.“

Bodo Förster, Lehrer an der Sophie-Scholl-Schule, erinnert daran, dass die Schule im zweiten Weltkrieg ein Zwangsarbeitslager war und dass die Direktorin sich 1933 geweigert hatte, einen Eid auf Hitler zu schwören – sie kündigte. „Courage ist, wenn man öffentlich ,Nein’ sagt“, gibt der Lehrer den Schülern mit auf den Weg. Daniela Martens

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