WENDEGEDENKEN : In Südafrika wird die Berliner Mauer mit dem Hammer eingerissen

NACHGEBAUT IN SÜDAFRIKA

Ein sieben Tonnen schweres Stück Berliner Mauer in Johannesburg. Kein Originalstück, aber von südafrikanischen Studenten nachgebaut, steht es mitten auf dem großen Platz der Witwatersrand Universität. „Keine Mauern mehr“ ist das Motto des Projekts „Crossing Borders 1989 – 2009“, zu deutsch: Grenzen überschreiten. Ralf Hermann, Leiter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Johannesburg und Germanistik-Dozent an der Uni, hat es initiiert.

ORGANISATOR AUS LEIPZIG

Es ist eine südafrikanisch-deutsche Mauer. In großen Buchstaben prangt auf der einen Seite die Aufschrift: „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten.“ Darunter ein Aufruf, den kalten Krieg gegen Studenten zu stoppen. Die protestieren in Johannesburg gerade gegen zu hohe Studiengebühren. Zweimal gibt es vor dem Mauerstück Vorträge, Konzerte oder Videovorführungen. „Wir wollen informieren und historische Verbindungen zwischen Südafrika und Deutschland zeigen“, sagt Hermann. Zum Beispiel den Zusammenhang der europäischen Integration und der Freilassung des Anti-Apartheidskämpfers Nelson Mandela, der drei Monate nach dem Mauerfall entlassen wurde. „Ihr Fall brach auch Steine aus der Apartheidsmauer“, sagt Hermann, der seit zwei Jahren in Johannesburg arbeitet und 1989 an den Montagsdemonstrationen in Leipzig teilnahm.

WIE DIE MAUERSPECHTE

Nicht bis zum 9. November, sondern wegen des Semesterendes nur zum 9. Oktober, wird die Mauer noch auf dem Johannesburger Uni-Campus stehen. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums wollen Hermann und seine Studenten die Mauer am Ende einreißen – symbolisch mit Hammer und Meißel. „Dazu spielen wir das Mauerspechte-Lied“, sagen die Organisatoren. „Das wird sicher unvergesslich.“

Hadija Haruna, Johannesburg

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