Westend : Auf die feine englische Art

Einst traf sich in Westend die britische Elite, heute sind es Familien, die 1500 Euro zahlen – pro Person. Ein Besuch auf einer recht exklusiven Anlage.

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Der Internationale Club in Berlin-Westend war früher ein britischer Club, in dem das Spitzenpersonal der Alliierten Whisky trank. Zum Gelände gehört ein auch Swimmingpool.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
15.08.2011 14:16Der Internationale Club in Berlin-Westend war früher ein britischer Club, in dem das Spitzenpersonal der Alliierten Whisky trank....

„Sie verlassen West-Berlin“ steht auf einem großen Gemälde, das neuerdings das Restaurant des Internationalen Clubs in Westend schmückt. Im ehemaligen „British Officers Club“, in dem zu Mauerzeiten das Spitzenpersonal der Alliierten Whisky für 50 Pfennige das Glas trank, sitzen Thomas Wolf, der Präsident, und sein Stellvertreter Stefan Heilmann mit Geschäftsführerin Petra Jucho. Das Trio steht für den Wandel des Clubs, der einst Gefahr lief, in politischen Streitereien unterzugehen.

Vor fünf Jahren haben die Mitglieder in einem Kraftakt das Gelände an der Thüringerallee gekauft, 15 000 Quadratmeter Grün, mitten in der Stadt. Acht Tennisplätze gehören dazu, ein Swimmingpool mit 25 Meter langer Bahn, seit neuestem auch eine Liegewiese mit einem Spielplatz, den Mitglieder gespendet haben. 500 zahlende Mitglieder gibt es jetzt, allein im vorigen Jahr verzeichnete man über 70 Neuaufnahmen. „Es sind überwiegend junge Familien, die Spaß haben an den Menschen hier“, sagt Wolf. Er ist 37 Jahre alt und im Jahr 2000 nach Berlin gekommen, Investmentbanker Stefan Heilmann ist 43 und seit drei Jahren in der Stadt. Er ist für Neumitglieder zuständig. Der Werbeexperte Jochen Sengpiehl kümmert sich ums Marketing und der Direktor des Hotel de Rome, Thies Sponholz, um die Gastronomie.

Über das Club-Restaurant sind die Mitglieder ziemlich glücklich, nachdem nach mehreren Bruchlandungen Anfang des Jahres Josef Laggner das Restaurant übernommen und die Karte aus seinen Lutter&Wegner-Restaurants gleich mitgebracht hat. Für Freunde von Mitgliedern ist das Restaurant offen, aber eine Reservierung muss schon sein. In der Vergangenheit gab es immer mal wieder Versuche von Fremden, sich an einem schönen Sonnentag in den Club zu schmuggeln.

Neue Mitglieder werden sorgfältig ausgewählt. Nach einem Gespräch mit der Geschäftsführerin muss der Vorstand zustimmen. Es hat auch schon Ablehnungen gegeben. Zu offensichtliche geschäftliche Interessen werden mit Argwohn betrachtet. Der Jahresbeitrag lag früher bei 2000 DM und ist inzwischen auf 1500 Euro gestiegen. Bis zum 33. Lebensjahr zahlt man 500 Euro.

Neumitglieder bekommen ein dunkelgrünes Handtuch als Willkommensgeschenk, aber die Assoziation zum berüchtigten Handtuchkrieg zwischen Deutschen und Briten auf den Urlaubsinseln könnte ferner nicht liegen. Hier herrscht eine gediegene Atmosphäre zwischen Lounge-Möbeln auf der Terrasse und den weißen Liegen auf der Wiese. Schließlich dient der Club laut Satzung unter anderem dem Zweck, Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Bildung und Medien die Möglichkeit zu gesellschaftlichen Kontakten und Sport- und Freizeitaktivitäten zu bieten und internationale Verständigung zu fördern.

Der Pflege der deutsch-britischen Beziehungen kommt dabei aus historischen Gründen eine besondere Bedeutung zu. Schirmherr ist der Prince of Wales, der auch in den schweren ledernen Fotoalben des Clubs öfter abgebildet ist. Der frühere Stadtkommandant Patrick Brooking hat sich immer besonders für diesen Club engagiert und ist ebenso Ehrenmitglied wie die ehemaligen Präsidenten Walter Scheel, Richard von Weizsäcker und Roman Herzog.

Offiziell nennt sich der Internationale Club im Untertitel jetzt „The Metropolitan Sports & Country Club“. In vielen Städten gibt es Partnerclubs, die von den Mitgliedern ebenfalls genutzt werden können, in Hamburg zum Beispiel der feine Anglo-German-Club, in New York der Lotus-Club, und in London stehen insgesamt sogar acht Clubs zur Verfügung. Mit den anderen Berliner Clubs will man sich nicht vergleichen. Als es bei einem Strategietreffen darum gegangen sei, das Zielbild zu definieren, habe man sich vom klassischen Konkurrenzdenken gelöst, sagt Wolf. China Club und Capital Club erwähnen sie kaum noch, eher schon die feinen Westberliner Tennisclubs oder das Soho House in Mitte. Sie alle aber bieten nicht die Möglichkeit, „zusammen mit den Eltern anderer Kinder am Pool um Pommes anzustehen“.

Nach Abzug der Alliierten hatte Berlin das Gelände 1999 zunächst für 22 Millionen DM vom Bund gekauft. Zu den Förderern des Clubs gehörte der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Landowsky, der allerdings voriges Jahr ausgetreten ist. Mit einer Million DM jährlich war die Landesbank damals einer der Hauptsponsoren. Grüne und Linke schäumten seinerzeit über „die sinnlose Geldverschwendung, die nur einigen Privilegierten zugutekommt“. Verschiedene Nutzungsmöglichkeiten wurden diskutiert. Am Ende hat der Club gesiegt und damit die Tradition.

Das freut aus der Ferne auch den Gründungsvater Patrick Brooking. Schließlich traf sich auf dem Gelände schon in den 20er Jahren der einst so populäre Berliner Schlittschuhclub. Bis heute wird auf den Jahresversammlungen des ICB diskutiert, ob man, wie früher, die Tennisplätze im Winter in Schlittschuhbahnen verwandeln könnte.

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