Stadtleben : Wie aus einer Insel Festland wurde

Steinstücken – da denken nicht nur die Alteingesessenen an die einst lästigen Zugangskontrollen von DDR-Posten, an mulmige Momente im Kalten Krieg, sie denken an den beruhigenden US-Posten, an die später freie, aber von Mauern eingerahmte Zufahrtsstraße. Steinstücken, das war eine West-Berliner „Exklave“, mehr als einen Kilometer vom Heimatbezirk Zehlendorf entfernt, umgeben von Potsdam-Babelsberg. Ein eingeschnürtes, aber reizvoll-gemütliches Stückchen Land, fast ein Dorf: mit Sommerfesten, die zur Tradition wurden. Gerade erst letztes Wochenende war hier wieder Feststimmung, organisiert vom Bürgerverein. Besucher erinnern sich gern an das legendäre Lokal „Taubenschlag“, schwärmen noch heute von den tollen Kuchen und Bauernfrühstücken, hart an der Mauer, inklusive Gruseleffekt. Der Taubenschlag war ein klassisches Ausflugsziel. Er gab nach der Wende auf.

Steinstücken, das war, wie der Heimatverein Zehlendorf in seinem jüngsten „Heimatbrief“ schreibt, ähnlich wie die Bernauer Straße oder das Brandenburger Tor ein Synonym für die Berliner Mauer. Inzwischen wurde viel gebaut, viele Einwohner sind dazugekommen, von den Spuren der Grenze und des alten Steinstücken ist nicht mehr viel zu sehen, der Hubschrauberlandeplatz der Amerikaner ist Bauland. Aber auch das Neue hat seinen Reiz. C. v. L.

„Steinstücken – von der Insel zum Festland“ heißt eine Sonderausstellung des Heimatmuseums, Clayallee 355. Sie wird am 25. August um 18 Uhr eröffnet und ist Bestandteil der Langen Nacht der Museen. Die Ausstellung ist vermutlich bis Ende Januar nächsten Jahres zu sehen.

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