Wiedereröffnung : Freiheit als Schicksalsmelodie

Das Haus der Kulturen der Welt wurde mit dem Lob des Wandels gefeiert. Diplomaten, Bundestagsabgeordnete und vor allem Vertreter anderer Kultureinrichtungen erschienen beim Festakt zur Wiedereröffnung.

Elisabeth Binder
Haus der
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (l.) und Intendant Bernd Scherer. -Foto: ddp

BerlinEtwas von dem Geist der Freiheit, der an diesem Abend so oft beschworen wurde im Hinblick auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, konnten die Gäste des Festakts zur Wiedereröffnung des Hauses der Kulturen der Welt schon auf der großen Freitreppe einatmen, die ins Luftige führt. Mehr noch beim Prosecco auf der Terrasse, die den Blick auf die neue Hauptstadtkulisse mit Kanzleramt und Bahnhof freigibt und damit das illustriert, was geworden ist aus jenem Geist des Aufbruchs und der Hoffnung, der hier vor 50 Jahren bei der Eröffnungsfeier der Kongresshalle geweht hat.

Den Wandel deklinierte Intendant Bernd Scherer gestern Abend anhand des Namens durch, den das Gebäude seit 1989 trägt, indem er die Welt dem Haus gegenüberstellte und den Hausbewohner, der Sicherheit und Geborgenheit sucht, dem Nomaden, der das Weite, Fließende, Bewegende erstrebt. Aus dem Spannungsfeld zwischen der Enge des Hauses und einer für alle grenzenlosen Welt, die dem Menschen die Sicherheit raubt, in der aus Enge Weite wird, die nicht mehr Offenheit, sondern schon Verlorenheit ist, hilft ein Gebäude mit osmotischen Wände mit viel Glas und vielen Türen heraus.

Gekommen waren neben Diplomaten und Bundestagsabgeordneten vor allem Vertreter anderer Kultureinrichtungen. So erfüllte sich ein Wunsch, den Staatsminister Bernd Neumann dem 50jährigen Bauwerk und seinen Bespielern mit auf den Weg gab: dass noch mehr die Beziehungen mit anderen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen gepflegt werden sollen. Für ihn verkörpert „der kühne Schwung des Daches“ die Freiheit des Schöpferischen. Aus seinem Büro im achten Stock des Kanzleramts kann er darüber gut reflektieren. Das Haus sei auch „ein Symbol für die deutsch-amerikanische Freundschaft“, betonte er. Früh schon habe man sich hier den Herausforderungen der Globalisierung gestellt und Themen bearbeitet, „deren Bedeutung wir erst viel später verstanden haben“. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erinnerte mit seinem Dank an das amerikanische Volk für dieses „Symbol der Solidarität“ in Zeiten, da Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich waren, an die Ursprünge des Hauses. Das Haus lebe davon, dass es sich gewandelt habe. Michael Stubbins, der Sohn des Architekten Hugh Stubbins, sagte, sein Vater wäre stolz zu sehen, das dieses Werk, welches er der Freiheit des Ausdrucks gewidmet habe, die Hoffnungen erfüllt hat und ein Lichtstrahl sei für Menschen aller Nationen.

Die Schauspielerin Cipe Lincovsky, die bei der Eröffnung vor fünfzig Jahren sehr gefeiert worden war, nahm an der Zeremonie ebenfalls teil. Musikalisch wurde das Haus neu eröffnet von der aus New York kommenden Gruppe Yomo Toro & Band mit einer eigenwillig interpretierten „Schicksalsmelodie“. Literarisch machten Adonis, der Dichter aus Paris, Damaskus und Beirut, und Ulrich Matthes, der die Werke auf Deutsch vortrug, einen eindrucksvollen Auftakt. Der begann mit dem Gedicht „Der neue Noah“ , in dem die Arche mit den Wellen fortzieht. 

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