Wiedereröffnung : Tribüne-Chef plant filmreifes Theater

Neustart für die Tribüne: Der Hamburger Theaterleiter Gunnar Dreßler wagt für das Haus in Charlottenburg eine Verjüngungskur.

Elisabeth Binder
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Da lacht der neue Chef. Gunnar Dreßler, 53, hat die „Tribüne“ nahe Ernst-Reuter-Platz übernommen. Er sagt: „Meine Zielgruppe ist...

Mit einem ungewöhnlichen Konzept wagt der Theatermacher Gunnar Dreßler einen Neustart in der „Tribüne“ in Charlottenburg. Wie berichtet war das Haus vom vorherigen Betreiber am 31. Dezember letzten Jahres geschlossen worden. Künftig sollen Filmadaptionen auf der Bühne junges Publikum anlocken. „Meine Zielgruppe ist die Generation 20 Plus.“

Normalerweise gibt’s den Film zum Roman. Das Theaterstück zum Film klingt als Konzept zunächst ungewöhnlich. Gunnar Dreßler hat aber genau damit gute Erfahrungen gemacht. Der Theaterleiter und Regisseur betreibt in Hamburg seit 20 Jahren das Theater in der Basilika. Dort lief mit viel Erfolg bis zum Beginn der Sommerpause „Keinohrhasen“ und soll auch im Herbst wieder aufgenommen werden. Der Stoff ist bekannt aus dem gleichnamigen Film von Til Schweiger.

Mit welchem Stück er in Berlin Premiere feiern wird, weiß Dreßler noch nicht. „Die Entscheidung ist ja noch ganz frisch, das Theater zu übernehmen.“ Das Datum der Premiere steht allerdings schon fest. Am 20. September, wenn die Tribüne 90 Jahre alt wird, soll dort zum ersten Mal wieder gespielt werden. Theatererfolge hat Dreßler in Hamburg schon gefeiert mit „Die fetten Jahre sind vorbei“ oder „Knallhart“. Warum das funktioniert, liegt für ihn auf der Hand. „Ein Stoff, der verfilmt wird, muss doch zunächst eine unglaublich hohe Hürde nehmen, um ausgewählt zu werden, höher als normalerweise beim Theater, weil die Kosten so hoch sind.“ Deshalb funktioniere das Prinzip mit den Filmadaptionen auch so gut. Von „Keinohrhasen“ haben viele zwar gehört, aber noch mehr haben den Film nicht gesehen, und die gehen dann ins Theater. In Hamburg funktioniert das tatsächlich, und Dreßler ist zuversichtlich, dass es in Berlin genauso gut klappt. „Kabale und Liebe“ etwa laufe ja auch in zwei Theatern gleichzeitig. Also könne man auch Filmstoffe immer wieder aufnehmen. Auch Uraufführungen von jüngeren Autoren wird es in der Tribüne künftig geben.

Obwohl er in seiner Heimatstadt Hamburg das Theater betreibt und auch weiter betreiben will, lebt der Vater von drei Kindern im Alter von drei bis 13 Jahren seit zehn Jahren in Berlin. „Theaterleitung findet hauptsächlich im Kopf statt“, sagt er. „Meine Arbeit besteht aus Lesen, Schreiben und Telefonieren, da ist es völlig egal, wo ich wohne.“ Seine Frau, die Berlinerin ist, wäre auch nach Hamburg gegangen. „Ich wollte die Abwechslung“, sagt der 53-jährige Theatermacher.

Renovierungen plant er erst mal nicht. Das Haus ist technisch in gutem Zustand, da kann man sofort anfangen zu spielen. „Aber wenn wir genug Geld verdient haben, wird wohl auch manches erneuert werden.“ Die Miete bis Jahresende muss er wie berichtet nicht bezahlen. Künftig will er sich auch um Subventionen bemühen. Rund zehn Stoffe hat er immer im Kopf, aus denen er die nächste Produktion auswählt. „Heutige Themen“ sind auf jeden Fall ein Schwerpunkt. Ist die Entscheidung einmal gefallen, benötigt es vier bis sechs Wochen Probenarbeit, bis das Stück aufgeführt werden kann.

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