Wilmersdorf : Abschied vom Freiluftlokal Loretta

Nach mehr als 30 Jahren muss das Freiluftlokal an der Lietzenburger Straße einem Bauvorhaben weichen.

Cay Dobberke
155713_0_9a5a3f62
Vom Biergarten zur Baustelle: Der Eingang zum Loretta in Wilmersdorf ist eingezäunt, bald sollen dort ein Hotel, Büros und...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Das „Loretta im Garten“ in Wilmersdorf, auch bekannt als Loretta am Ku’damm, war mehr als 30 Jahre lang einer der bekanntesten Biergärten der Stadt: Besonders zu alten West-Berliner Zeiten galt die grüne Oase an der Lietzenburger Straße 89-91 als Institution, nicht nur viele Touristen schätzten die Nähe zum Kurfürstendamm. Vor wenigen Tagen aber ist in aller Stille das Ende gekommen. Der Betrieb wurde eingestellt, Bauzäune versperren den Zugang. Bald wollen Investoren hier ein Hotel sowie Büros und Wohnungen errichten.

Der letzte Loretta-Betreiber, der das Lokal seit 2005 geführt hatte, war gestern schon nicht mehr erreichbar. Niemand geht ans Telefon, auch die Internetseite wurde abgeschaltet. Vom Liegenschaftsfonds des Landes Berlin ist jedoch zu erfahren, was vor sich geht: „Wir haben das landeseigene Grundstück bereits Ende 2006 verkauft – jetzt wurde es geräumt übergeben“, sagt Sprecherin Anette Mischler. „Die Baulücke soll geschlossen werden.“ Die Käufer wollen vorerst anonym bleiben. Deshalb gibt die Sprecherin nur preis, dass es sich um drei Investoren handele, die in der Hotelbranche tätig seien.

3000 Sitzplätze hatte der Biergarten, der auch ein Mini-Riesenrad am Eingang, ein Beachvolleyballfeld und einen Kinderspielplatz bot. Der Name „Loretta“ stammte von einer Geschäftsfrau, die den Betrieb einst übernommen hatte. Später wechselten die Pächter einige Male. Einer davon war Klaus Wehler, der zusätzlich das „Loretta am Wannsee“ eröffnete. Heute hat jener Biergarten aber nichts mehr mit dem Namensvetter in Wilmersdorf zu tun.

Bauplanungen hatte es mehrmals gegeben. Mitte der 70er Jahre schien das Loretta zum ersten Mal bedroht, weil die Knesebeckstraße über das Gelände hinweg bis zum Ludwigkirchplatz verlängert werden sollte – doch dazu kam es nicht. Später interessierte sich unter anderem eine Berufsgenossenschaft für das Areal, bei ihrem Bauprojekt wäre der Biergarten aber erhalten geblieben.

Zum Aus führte eine Ausschreibung des Grundstücks durch den Liegenschaftsfonds. Insgesamt misst das Areal rund 10 000 Quadratmeter, der Biergarten belegte davon nur knapp die Hälfte. Mitverkauft wurde ein altes Bürohaus an der Emser Straße 31-32; ob es stehen bleibt, ist noch unklar. Den eigentlichen Baubeginn erwartet der Liegenschaftsfonds im kommenden Jahr. Die Bauzäune deuten allerdings darauf hin, dass wohl schon früher vorbereitende Arbeiten geplant sind.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben