Wintergarten-Varieté : Turn dir eine Stadt

Am Donnerstag startet im Wintergarten-Varieté die Sommershow „Made in Berlin“ – mit Liedern, Nummern und Artisten von hier.

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Foto: ddp

Die Show soll nicht nur Show sein, sondern auch Stadt, Mythos, Geschichte, Gefühl. Mit Musik aus und über Berlin, akrobatischen Nummern, die hier entstanden sind, und einem Abbild des Lebens in der Stadt. Aber nur in Momentaufnahmen, Gags, Assoziationen und vor allem ohne eine Berlin-Silhouette als Bühnenbild. Die wäre Autor und Regisseur Markus Pabst zu platt. „So was finde ich furchtbar“, schüttelt er sich.

Stattdessen besteht das Bühnenbild der heute startenden Sommershow im Wintergarten-Varieté aus grau-silbrigen Stoffbahnen, die je nach Beleuchtung an den eingewickelten Reichstag oder an „Metropolis“ denken lassen. Der Titel ist Programm: „Made in Berlin“. Und entwickelt hat sie Markus Pabst, der neulich im Chamäleon gerade Premiere mit der Varietéshow „Versus“ feierte, anhand von Berlin-Musik: von Paul Lincke über Marlene Dietrich zu Hilde Knef, von Ideal über PR Kantate bis zu Peter Fox. Nicht live gespielt, sondern produziert.

Sehr jung, sehr schmal ist der Trupp Artisten, der gerade zu „Dickes B.“ von Seeed noch mal die Choreografie für das Finale der Show probt. Aber die Arme und Beine sind sehnig und trainiert. In der ersten Reihe tanzt Eike von Stuckenbrok. Er ist 21, lebt seit acht Jahren hier, hat die Staatliche Schule für Artistik absolviert, als Jungstar in Chamäleon- und Wintergarten-Shows geturnt und gerade eine Medaille beim Pariser Festival „Cirque de Demain“ gewonnen. Als erster deutscher Akrobat seit 15 Jahren.

Coole Leute gibt es überall, findet er, aber in Berlin gefalle ihm besonders der Mix. „Mein Weltbahnhof ist das hier“, sagt er und streicht die Mähne aus der Stirn. Genau zu beschreiben, was hier anders ist als in anderen großen Städten, fällt von Stuckenbrok genauso schwer wie Kollegin Mareike Koch, die an der Artistenschule am Trapez ausgebildet wurde. Nonverbal erzählen ist mehr ihr Ding. In der Show turnt Koch zu „Tag in Berlin“ eine luftige Liebesgeschichte am Tanztrapez. „Hier kann man jeden Tag alles machen!“ fasst sie ihr Berlin-Gefühl schließlich zusammen. Und Regisseur Pabst, 43, nennt als Grund, warum die Stadt im Ausland so in ist: „Weil die Leute sich hier wohl fühlen, obwohl’s die unfreundlichste Stadt der Welt ist.“

Artistisch, druckvoll, lustig, trashig soll „Made in Berlin“ sein und voll überzeichneter Klischees, inklusive Punkern, Müllmännern oder Partypeople, für die gerade noch mal die dicke Diskokugel poliert wird. Aber auch kurze nostalgische Zille-Zitate, die Zwanziger und der Mauerfall kommen vor. Aber ohne Anspruch auf Detailtreue oder historische Chronologie. Geschichte könne man dann doch nicht wirklich in einer Varietéshow transportieren, sagt Markus Pabst. Und außerdem gelte für seine geturnte Stadt: „Berlin folgt keinen Regeln“. Wintergarten, 6. Mai bis 12. Juni und

14. Juli bis 25. September, Tickets unter Tel. 588 433, www.wintergarten-berlin.de

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