Stadtleben : Wo Berlin schweigt

Ein Führer zu versteckten Winkeln in Parks und bekannten Gebäuden

Hella Kaiser

Die Stadt brummt, hastet und ist immer hellwach. Das kennt man. Aber es geht auch anders: Der Autor Michael Bienert stellt jetzt zwanzig stille Winkel Berlins vor. Den duftenden Rosengarten im Tiergarten zum Beispiel, der so versteckt liegt, dass ihn Auswärtige kaum finden. Eine Oase zum Träumen, in der zwei stattliche Bronzehirsche zu bewundern sind. Warum stehen sie dort? Michael Bienert klärt auf: 1882 hatte sich der Berliner Bildhauer Rudolf Siemering an einem internationalen Wettbewerb für ein Washingtondenkmal in Philadelphia beteiligt – und gewonnen. Die zum Denkmalensemble gehörenden Hirsche fanden so viel Anklang, dass sie, als Kopien, 1902 auch im Tiergarten aufgestellt wurden.

Etliche der beschriebenen Orte, wie etwa besondere Friedhöfe oder der Kreuzberg mitsamt des Viktoria-Parks, werden ausführlich vorgestellt. Leider schweift Bienert immer mal wieder ins Persönliche ab und erzählt Anekdoten aus seiner Vergangenheit. Die überflüssigen Ich-Passagen lassen sich aber schnell überlesen, um Wichtiges zu finden.

Treffend beschreibt der Autor den Zauber der „Gärten der Welt“ in Marzahn. Und man erfährt, dass deren Existenz dem Berliner Filmproduzenten Manfred Durniok zu verdanken sind, der nach seinem hundertsten Besuch in Peking Ehrenbürger der chinesischen Hauptstadt wurde – und engagierter Mittler zwischen den Gartenwelten.

Den „Raum der Stille“ am Brandenburger Tor kennen sogar manche Touristen. Aber wer wusste, dass man auch im Rangfoyer des Deutschen Theaters meditieren kann? Ein festlicher Saal mit Deckengemälden und Kronleuchtern ist zu entdecken. Einen Ausschank gibt es nicht mehr, aber grüne Sitzbänke zum ungestörten Verweilen in der Pause.

Das Buch ist ein Ideengeber für Berliner, die ihre Stadt mal wieder abseits des Betriebes genießen wollen. Aber sie könnten es genauso gut Besuchern in die Hand drücken, mit dem stolzen Satz: „Sehn Se, det is ooch Berlin.“ Hella Kaiser











— Michael Bienert:
Stille Winkel in Berlin. Ellert & Richter Verlag, Hamburg. 127 Seiten, 12,95 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar