Wochenende : Ein bisschen Spaß muss rein

Die Gäste im "Sonderzug nach Pankow" hatten Glück: Als ihre S-Bahn auf der Rückfahrt entgleiste, kamen sie mit dem Schrecken davon. Trotzdem: Wer am Wochenende zu Hause bleibt, ist selbst schuld - es locken Straßentheater oder Jazz.

Udo Badelt,Christoph Stollowsky
jazzfest Foto: Uwe Steinert
Ein Ständchen am Savignyplatz. Beim Jazzfest "Charlottenburg groovt" kann man Musik hören und shoppen gehen, auch heute wieder ab...Foto: Uwe Steinert

Politiker sind manchmal abgehoben. Und wenn es auch nur zwei Zentimeter sind. Mit genau diesem Abstand schwebte Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner am Sonnabend über dem Erdboden. Möglich machte das nicht etwa ein Zaubertrick, sondern moderne Physik. Spezielle, mit flüssigem Stickstoff gekühlte Magneten ließen Zöllner auf einer blauen Metallscheibe in der Luft stehen. Ort des Geschehens war die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Charlottenburg, in deren Hallen der Politiker die lange Nacht der Wissenschaften eröffnete.

"Es ist wichtig, dass die Wissenschaft sich für jedermann öffnet", verkündete Zöllner. Und freute sich, dass die zum achten Mal veranstaltete Lange Nacht "trotz des unleugbaren Fußballfiebers" bis in den frühen Sonntagmorgen wieder viele Interessierte in die Institute und Labors lockte. Dieses Jahr sogar mit Rekordbeteiligung: 66 Hochschulen, Institute und forschende Unternehmen gaben in Berlin und Potsdam Einblick in ihre Arbeit.

Ein bisschen Glück hatten die Gäste des "Sonderzugs nach Pankow". Auf der Rückfahrt entgleiste ihr historischer S-Bahnzug im Nord-Süd- Tunnel. Weil niemand mehr an Bord war, gab es auch keine Verletzten. Der Verkehr auf den Linien S1, S2 und S25 war bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe unterbrochen und bleibt voraussichtlich bis heute Mittag unregelmäßig. Erst nachmittags soll der Verkehr wieder planmäßig rollen. Warum der Zug entgleiste, ist unklar.

Gechartert hatte den Zug die "Interessengemeinschaft Sonderzug nach Pankow", die mit rund 300 Fahrgästen, die sich den Spaß 20 Euro pro Karte haben kosten lassen, ab Potsdamer Platz gen Norden fuhr. Anlass für die Fahrt ist, dass Udo Lindenberg vor 25 Jahren jenen Song sang, der in den Augen der Interessengemeinschaft nicht geeigneter hätte sein können, um für den Bezirk zu werben. Der originale Udo Lindenberg hatte zwar abgesagt, dafür war allerdings sein Double Marcus Krey mit von der Partie.

Udo Lindenberg sagt per SMS ab

 
1997 rollten die Wagen dieser historischen Baureihe zum letzten Mal im Linienverkehr durch Berlin. Sie war zu teuer im Unterhalt und erfüllte die neuesten Sicherheitsanforderungen nicht. Jetzt werden die Waggons, insgesamt 30, vom Verein "Historische S-Bahn" in Erkner gewartet. Trotz des Unfalls am Sonnabend soll der Sonderzug bei großen Veranstaltungen wie dem Fest an der Panke oder dem Kunstfest regelmäßig fahren. Ach, und dann berichtet Bezirksbürgermeister Matthias Köhne, dass er gerade noch eine SMS von Udo Lindenberg bekommen habe, der es bedauert, nicht selber kommen zu können, aber alle grüße. Wie nett!

Und so bunt und fröhlich ging und geht es am Wochenende eigentlich überall in der Stadt zu. Zum Beispiel am Washingtonplatz vorm Hauptbahnhof bei den besten Beachvolleyballern der Welt. 5000 Fans finden, bei freiem Eintritt, im extra aufgebauten Stadion Platz und gucken den Sportlern zu, wie sie durch den Sand hechten und sich die Bälle um die Ohren knallen. Wer noch einmal hin will, bitte: Heute um 10.30 Uhr finden die Halbfinals der Männer statt, das Endspiel ist für 15 Uhr angesetzt. Und wer nicht genug vom gelben Sand bekommen kann, der geht ein paar Schritte weiter und bestaunt die Skulpturen beim Festival Sandsation.

Wo wurde noch in Berlin gefeiert? Richtig, am Savignyplatz, beim Jazzfest "Charlottenburg groovt". Es gibt drei Bühnen und ein Gourmet-Zelt, in dem ausschließlich Charlottenburger Köche am Herd stehen. Los geht's um 11 Uhr - bis 20 Uhr.

Und in Kreuzberg, natürlich, auch da ist prächtige Stimmung. Und zwar beim 5. Internationalen Straßentheater Festival "Berlin lacht". Die kunterbunte Spielstätte befindet sich zwischen den Fassaden des Künstlerhauses Bethanien und der St.-Thomas-Kirche.
 
Mehr als 150 Clowns, Jongleure und andere Straßenkünstler aus zwanzig Ländern spielen heute noch einmal von 11 bis 20 Uhr auf sechs Bühnen. Hier kann man auch "Hacki Ginda" wiedersehen, den Comedy-Star aus den Anfängen des Varietés Chamäleon in den Hackeschen Höfen in Mitte oder "La Salamandre", die Puppenshow mit dem Feuerpferd Rusty. Der Eintritt zum Festival und an den Ständen mit Kinderbelustigungen ist frei, nur bei den Bratwurst-, Crêpe- oder Popcorn-Verkäufern drumherum muss man bezahlen. Kein Künstler bekommt hier übrigens Gage, deshalb rät Festival-Organisator Thomas Plattner vom "Verein zur Förderung von Straßenkunst und Kultur in Berlin": "Tonnenweise Kleingeld einstecken!" Als kleine Spende. (mit AG)

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