Wochenende : Kunst- und Kulturfestival in Neukölln

1000 Künstler, 500 Aktionen, 125 Spielorte: Das Kulturfestival „48 Stunden Neukölln“ lädt von Freitag bis Sonntag zur Kultursafari.

G,a Bartels
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Nette Geiselnehmer. Katja von der Ropp, Benedikt Haubrich und Thorsten Schlenger (v. l.) von „Klaut! Klaus! Neukölln“. Foto: Mike...

BerlinSie sind jung, sie sind dagegen, und sie wollen zündeln. Aber nur künstlerisch. Thorsten Schlenger, Katja von der Ropp und Benedikt Haubrich sind die drei Theatermacher von „Brand“, einem selbst gegründeten Künstlernetzwerk, das eine Flamme im Logo trägt, und mit seiner abenteuerlustigen 48-Stunden-Dauerperformance „Klaut! Klaus! Neukölln!“ zum ersten Mal dabei ist.

Wobei? Na, bei Berlins größtem Kunst- und Kulturfestival „48 Stunden Neukölln“, das den populärsten Problembezirk der Stadt von Freitag- bis Sonntagabend zum elften Mal in Bann schlägt. Begonnen hat das so ernsthafte wie verspielte Potpourri aus Kunstausstellungen, Theateraktionen, Konzerten, Lesungen und Partys 1999 mit 25 Spielorten zwischen Körnerpark und Landwehrkanal. Inzwischen sind es über 250 mit über 500 Aktionen und mehr als 1000 Künstlern, die sogar extra aus Kanada oder Frankreich anreisen.

Da hat’s das Trio von „Brand“ näher. Sie wohnen eh alle in Neukölln. Als „Edelneuköllner“ im Norden kurz vorm Landwehrkanal, wie Thorsten Schlenger grinst. Regie zu führen haben die drei, die 29 und 30 alt sind, an der FU Berlin und dem Max-Reinhardt-Seminar in Wien gelernt und unter anderem am Theater Dortmund oder der Berliner Schaubühne gearbeitet.

Für das interaktive Gesellschaftsspiel „Klaut! Klaus! Neukölln!“ ist aus dem alten Laden von Möbel Oestmann in der Anzengruberstraße 11 mittels kostengünstiger Pappeinbauten eine Hightech-Aktionszentrale geworden. Da wird’s besonders Sonnabend hoch hergehen, wenn eine zehnköpfige Kombo „Klaus-Lieder“ singt, die Show „Klaus wird Millionär“ läuft und die aus Straßeninterviews laufend zusammengeschnittene „Brand- Schau“ die „Tagesschau“ ersetzt.

Widerstand im Alltag ist das Ziel des spaßigen, auf kritische Selbstreflexion setzenden Happenings. Und wer sich zur freiwilligen Geiselhaft im „Klaus-Keller“ entschließt, kann der Welt endlich auch mal seine ultimativen Forderungen stellen: privat oder politisch, völlig egal. Nette Leute treffen, Party und Flashmob gibt’s dazu noch obendrauf. Was das Ganze soll? „Den Zeitpunkt ergründen, bevor ein Mensch sagt: Mir reicht’s!“, sagt Benedikt Haubrich. Und da dürfte es bei den vorab schon alle naselang neugierig den Kopf zur Tür reinsteckenden Kiezbewohnern samt ihren Gästen viel Klärungsbedarf geben. Denn Klaus, das sei schließlich jeder, finden die drei.

Wer das nicht glauben mag, pickt sich im Riesenprogramm der „48 Stunden“ unter dem Motto „Humus Neukölln“ einfach was Braveres raus: Man kann Kirchenkonzerten oder Vorträgen in Moscheen bei der Festivalreihe „Sakrale“ lauschen. Zwei große Kunstausstellungen zum Thema Stadtnatur in der Alten Post in der Karl-Marx-Straße besichtigen. Oder das „Laubenglück“ in der Kolonie „Hand in Hand“ in der Rütlistraße besuchen, wo Kunst im Schrebergarten läuft. Gärten, Parks, Balkone und Brachen sind die Spielorte der neuen Festivalreihe „Neukölln Grün“, die auch den Volkspark Hasenheide bespielt. Beste Möglichkeit, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden, bieten die sechs in den Kiezen verteilten Infopunkte. Dort gibt’s Faltpläne und Tipps.

Eintritt kosten nur ganz wenige der Aktionen. „Klaut! Klaus! Neukölln!“ gehört selbstredend nicht dazu. Kann jeder so rein. In der „Klaus-Zentrale“ flattern bei der Live-Show jede Menge liebevoll gedruckter „Klaus-Millionen“ herum, das „Klaus-Pilsener“ gibt’s allerdings nur für Euro.

Das Festival wird Freitag um 19 Uhr in der Alten Post, Karl-Marx-Straße 97/99 eröffnet und läuft bis Sonntag 19 Uhr. Infos: www.48-stunden-neukoelln.de, Telefonnummer: 68 24 78 21. Eintritt fast überall frei.

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