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Wohnungsmarkt : Berliner werden sesshaft

Wer eine günstige Wohnung in Berlin mietet, gibt sie so schnell nicht mehr her: Die Berliner sind umzugsmüde – und das liegt an dem zunehmend schwindenden Angebot an freien Wohnungen und den stetig steigenden Mieten.

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Frisch eingezogen und noch keine Nachbarn? Das wird es wohl bald in Berlin nicht mehr geben.
Frisch eingezogen und noch keine Nachbarn? Das wird es wohl bald in Berlin nicht mehr geben.Foto: dpa

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, dessen Mitglieder 700 000 Wohnungen in der Stadt besitzen, spricht von „echten Vermietungsschwierigkeiten“ bei gerade mal 5500 Wohnungen in seinem Bestand, das sind 0,8 Prozent.

Und die angespannte Lage am Berliner Wohnungsmarkt verschärft sich weiter. Der BBU verweist auf Zahlen des Statistischen Landesamtes, wonach bis zum Jahr 2020 bis zu 130 000 neue Haushalte nach einer Wohnung suchen werden. Das liegt daran, dass Kinder aus dem elterlichen Haushalt ausziehen oder sich Paare trennen, also an Veränderungen innerhalb der Stadt. Es liegt aber andererseits am Zuzug von auswärts.

Wer eine Wohnung im Zentrum der Stadt sucht, braucht Zeit und Geld. Denn während der Leerstand stadtweit rund drei Prozent beträgt, stehen in den zentralen Bezirken nur etwa halb so viele Wohnungen leer. Am niedrigsten ist der Leerstand in den Stadtteilen Wilmersdorf, Charlottenburg, Tiergarten und Prenzlauer Berg. Ungebrochen ist also der Trend zum Wohnen in der Innenstadt. Neu ist dagegen, dass Mietern auch in Randlagen ein immer kleineres Angebot an leer stehenden Wohnungen zur Verfügung steht. In Spandau ging der Leerstand im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent zurück, nur im Stadtteil Tiergarten war der Rückgang noch höher (minus 1,4 Prozent). Während die zentrale Lage von Tiergarten dessen Aufblühen erklärt, galt der Bezirk Spandau wegen seiner Lage am Rande der Stadt als weniger attraktiv. Auch das ändert sich nun.

Dass die Wohnungen berlinweit knapp werden, dafür spricht auch die aus Sicht der Wohnungsunternehmen gute Entwicklung eines weiteren Randbezirks: In Marzahn-Hellersdorf, das lange Zeit wegen der Großsiedlungen als „Problembezirk“ galt, nimmt der Leerstand ebenfalls ab: Die Quote ging von 6,8 auf 5,3 Prozent zurück.

„Sinkender Leerstand, wenig Neubau, stark wachsende Haushaltszahlen, Berlin ist auf dem Weg in ein Angebotsproblem“, sagt BBU-Vorstand Maren Kern. Sie fordert deshalb vom Senat ein „Gesamtkonzept“ für den Berliner Wohnungsmarkt: Billigeres Baugeld und Baugrundstücke, um den Neubau anzukurbeln, schlägt sie vor. Mit dem Einsatz von rund 30 Millionen Euro seien schon nennenswerte Erfolge zu erzielen. Auch eine Neuordnung der Vergabe von Sozialwohnungen zählt zu den BBU-Vorschlägen. Noch haben in Berlin auch Haushalte mit höheren Einkommen einen Zugang zu den teuer subventionierten Sozialimmobilien, anders als in anderen Bundesländern. Dabei gibt es in der Hauptstadt mehr Bezieher von staatlichen Transferleistungen als anderswo. „Es fehlt eine klare Definition davon, wer bedürftig ist“, kritisiert Kern.

Seit dem Jahr 2005 stiegen die Mieten im BBU-Bestand jährlich um 2,4 Prozent und damit doppelt so schnell wie die allgemeine Teuerung. Die durchschnittliche Miete einer Wohnung von BBU-Mitgliedern betrage 4,93 Euro je Quadratmeter und Monat ohne Nebenkosten. Wegen des immer geringeren Angebots an leer stehenden Wohnungen ziehen die Berliner immer seltener um. Die „Fluktuationsquote“ beträgt 7,3 Prozent. Im bundesweiten Vergleich ziehen nur die Bewohner Hamburgs noch seltener um.

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