Wowereit : Prosecco aus der Dose

Fast ein wenig wie im Wahlkampf: Der Regierende Klaus Wowereit besucht Steglitz-Zehlendorf und damit den wohl bürgerlichsten Bezirk.

Werner van Bebber
Wowereit
Immer im Visier: Klaus Wowereit vor der Villa Liebermann am Wannsee. -Foto: dpa

Im Berliner Südwesten wählt man mehrheitlich die bürgerlichen Parteien und die Grünen. Hier, in Steglitz-Zehlendorf, haben CDU und Grüne das erste schwarz-grüne Bündnis geschlossen. Gründe genug für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, den Bezirk zu besuchen, eine wenig für sich, den Senat und auch die sozialdemokratische Bezirksstadträtin Barbara Loth zu werben, die sich um Wirtschaft und Wirtschaftsförderung kümmert. Wowereit nutzte den Besuch, um gute Stimmung zu verbreiten und eines ganz deutlich zu demonstrieren: Längst hat er das Formtief der ersten rot-roten Monate hinter sich gelassen, längst ist er wieder eins mit sich und seinem Amt.

Schon am Anfang der „Entdeckertour“, wie die Organisatoren vom Bezirksamt Wowereits Programm genannt hatten, amüsierte sich der Regierende. Die Wirtschaftsstadträtin hatte ihm eine Umhängetasche mit allerlei Kleinkram packen lassen. Wowereit hängte sich die Tasche um, wohl wissend, wie man das macht, um „trendy“ zu sein, wie er sagte, dann ging es los. Prosecco aus der Büchse: „Darf man dafür überhaupt noch werben?“, fragte Wowereit, und: „Aus der Dose! Wollen wir das?“ Ein Wasserball als Symbol für das Strandbad Wannsee: „Kann man auch als Badekappe benutzen“, so Wowereit, weil der luftlose, gefaltete Ball ihn daran erinnerte.

Eine halbe Stunde später stand er vor einem Gerät, an dem Chirurgen ihre Fähigkeiten als Schlüsselloch-Operateure üben. In der Zehlendorfer Kurstraße liegt die Klinik für minimal-invasive Chirurgie. Folgt man ihrem Leiter Professor Omid Abri, ist das Haus ganz vorne bei einer Art des Operierens, die den Aufenthalt in der Klinik auf 2,8 Tage im Durchschnitt verkürzt.

Wowereit mit seinem längst hoch entwickelten Sinn für nette Politikerfotos bediente das Trainingsgerät routiniert. Geradezu kaltblütig ging er mit Abri in den Operationssaal, um ein paar Blicke auf die neueste Technologie zu werfen und einen Eingriff am lebenden Objekt zu tun, selbstverständlich im sterilen Operateursgewand. Nach zehn Minuten kam er zurück, ungebrochen lächelnd und kein bisschen blasser als zuvor. Ob ihm der Anblick des Operierten nichts ausmache? Nein, sagt Wowereit, „ich lieg’ ja da nicht.“ Ein – spontaner – Gang durch das Studentendorf gegenüber der Klinik, mit dem sich der Senat beschäftigen muss, dann die Weiterfahrt zur Liebermann-Villa am Wannsee, wo Wowereits Besuch zu großen Augen auf der Besucherterrasse führt: Es ist eine Bezirkstour nach dem Motto der guten alten Neue-Deutsche-Welle-Band Ideal: „Ich fühl’ mich gut, ich steh’ auf Berlin.“ Die Leute, das sieht man ihren Gesichtern an, freuen sich an diesem Regierenden Bürgermeister. Das ist Wowereits Art der Wirtschaftsförderung.

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