Young Euro Classic : Lamentieren ist viel zu langweilig

Auch das Festival Young Euro Classic muss sparen. Das sieht die Veranstalterin nicht nur negativ.

Udo Badelt
Minz
Unermüdlich. Gabriele Minz, Organisatorin von Young Euro Classic. -Foto: Thilo Rückeis

Seit zehn Jahren bringt das Festival Young Euro Classic frischen Wind in den lauen Berliner Konzertsommer, indem es deutsche und internationale Jugendorchester ins Konzerthaus am Gendarmenmarkt einlädt. Aber ausgerechnet jetzt, im Jubiläumsjahr, drückt die Banken- und Finanzkrise auf die Kassen der großen Konzerne. Keine guten Voraussetzungen für ein Musikfestival, dass neben der öffentlichen Förderung durch den Hauptstadtkulturfonds vor allem von privaten Sponsoren finanziert wird.

Auch Young Euro Classic muss dieses Jahr mit weniger Geld auskommen. Vor allem mündliche Zusagen wurden zurückgezogen oder eingeschränkt. Und die Firma BMW, die als „Erster Partner“ von Beginn an entscheidend an der Entwicklung des Festivals beteiligt war, ist kein Hauptpartner mehr, sondern „nur“ noch Förderer. Aber so leicht lässt sich Gabriele Minz, die Young Euro Classic einst mitbegründete, nicht unterkriegen. „Ich bin niemand, der lamentiert“, sagt sie. „Das finde ich einfach nur unglaublich langweilig.“ Zwei Minuten hätte sich ihre Stimmung dieses Frühjahr auf dem Tiefpunkt befunden. „Dann habe ich mich mit meinem Mann zusammengesetzt und überlegt: Was machen wir?“

So entstand die Idee zu der Kampagne „2000 mal 30“, mit der 1000 Musikfreunde gefunden werden sollen, die jeweils 30 Euro spenden und gleichzeitig einen Freund oder Bekannten überreden, das Gleiche zu tun. Die Kampagne richtet sich ausdrücklich nicht nur an Prominente, sondern ans wohlwollende Publikum. Bis vergangene Woche sind rund 15 000 Euro eingegangen, also ein Viertel der anvisierten 60 000.

Doch die Planungen für so ein Ereignis sind langfristig, und so mussten bereits vor Monaten schmerzhafte Einschnitte gemacht werden. Statt der geplanten fünf Kontinente werden nur Orchester aus vier Kontinenten vertreten sein. Ein eigenes „Campus“-Projekt, in dem in den letzten Jahren je ein deutsches Orchester und ein ausländisches Orchester miteinander probten und auftraten, wird es auch nicht geben. In kleinerem Format wird dafür aber ein ähnliches Projekt realisiert: Statt eines „Campus“ ein „Ensemble“ aus 21 Musikern aus Moskau und Berlin, die gemeinsam zwei russische und zwei deutsche Uraufführungen spielen werden. „Von allem gibt es weniger“, sagt Gabriele Minz. „Das hat aber auch Vorteile. Das Programm wird dichter, konzentrierter.“ Hoch motiviert sei das Mitarbeiterteam, an dem nicht gespart wird. Wie immer bereiten drei Festangestellte das Festival im Winter und Frühjahr vor, kurz vor Beginn schnellt die Mitarbeiterzahl dann auf rund 25.

Als Frau der Zahlen ist es Gabriele Minz gewohnt, einen kühlen Blick zu behalten. Neben Wirtschaftswissenschaften hat sie auch Psychologie studiert. Zwischen Geld und Kunst zu vermitteln, ist immer mehr zu ihrer Lebensaufgabe geworden. Früher hatte sie andere Betriebe beraten, 1997 gründete sie mit der Minz GmbH ihre eigene Firma, die Kulturprojekte ermöglicht. Bis zu fünf Mal im Jahr reist sie wegen solcher Projekte nach China. „Wenn man sich darauf einlässt, dass in China vieles völlig anders gemacht wird, sieht man die Dinge zu Hause gelassener.“ In diesen Zeiten keine schlechte Schule.

Young Euro Classic, 7. – 23. August im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Näheres unter www.young-euro-classic.de

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