Stadtleben : Zartbitterschokolade zum Hören

AUFTRITT DER WOCHE Heute Abend tritt David Eugene Edwards mit seiner Band Woven Hand im Columbiaclub auf

Auf den meisten Fotos, die es von ihm gibt, sieht man Musiker David Eugene Edwards mit runtergezogenen Mundwinkeln. Das soll jetzt kein Vorwurf sein, sondern lediglich eine Feststellung, denn dieser Gesichtsausdruck sagt einiges über den Mann mit dem Blick eines ausgesetzten Hundes. Er steht der Welt grundsätzlich skeptisch gegenüber, leidet unter den Verfehlungen seiner Mitmenschen – und packt all seinen Schmerz darüber in düstere, epische Songs. Seine Lieder sind Melodie gewordene Seufzer gegen das Schlechte.

Heute Abend tritt der Amerikaner im Columbiaclub auf, mit seiner Band Woven Hand. Die gründete Edwards vor sechs Jahren zusammen mit Daniel McMahon, bei Konzerten kommen manchmal noch je nach Bedarf ein, zwei Musiker hinzu. Ursprünglich war Woven Hand als Nebenprojekt gedacht, denn eigentlich war Sänger und Gitarrist David Eugene Edwards Mitglied bei der Gruppe 16 Horsepower. Aber weil die sich zu einer zwischenzeitlichen Kreativpause entschlossen hatte, suchte Edwards nach einem neuen Betätigungsfeld.

„Mosaic“ heißt das Album, das Woven Hand im vergangenen Jahr veröffentlichten, es ist die mittlerweile vierte Platte der Band. Für das Werk schrieb Edwards zwölf Songs, die sich musikalisch irgendwo zwischen Country und Rock bewegen und auch Folk- und Gospeleinflüsse einbinden. Für Uneingeweihte, „Mosaic“ ist wie Zartbitterschokolade: sehr schwer und süßlich, aber mit jedem Stück besser. Zucker für darbende Gemüter. Es ist eine Platte für Menschen, die lieber schlurfend als hopsend durch die Welt gehen.

Durch die Welt geschlurft ist David Eugene Edwards lange Zeit selbst: Er stammt aus einer Predigerfamilie. In seiner Kindheit zog er mit seinem Großvater durch die Städte und Dörfer von Colorado und lauschte gespannt dessen Predigten. Diese Erfahrung hat ihn ganz offensichtlich nachhaltig beeinflusst, Edwards thematisiert sie in seinen Liedern immer wieder, zuletzt in dem Stück „Bible & Bird“. Und auch der Bandname Woven Hand verweist auf die beim Gebet gefalteten Hände.

Parallel zu seiner Arbeit mit der Band hat der 39-Jährige auch die Musik für ein belgisches Tanztheaterprojekt namens „Ultima Vez“ entwickelt. Das Stück basiert auf der Sage des Orpheus, des berühmtesten Sängers der griechischen Mythologie. Dieser sang so lange, bis ihm Apollon gebot zu schweigen. Vielleicht erklärt diese Geschichte ja auch Edwards’ Tatendrang – und letztlich auch seine Traurigkeit: Er singt sich so viel wie möglich von der Seele, weil er befürchtet, es irgendwann nicht mehr tun zu können.

Woven Hand treten heute im Columbiaclub auf. Beginn 21 Uhr, Eintritt 19 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben