Stadtleben : Zufrieden mit der Gesamtsituation

Im Theater des Westens wird „Der Schuh des Manitu“ geprobt. Bully hilft mit

Sebastian Leber

Pferde wird es ganz sicher nicht auf der Bühne geben, aber möglicherweise Steckenpferde. Und einen großen Saloon als Kulisse. Und einen Marterpfahl. Den vertritt heute eine schlichte Holzlatte. Der Mann, der später den Apachenhäuptling Abahachi spielen soll, trägt schwarze Jeans. Es sind ja noch Proben – und fünf Monate bis zur Premiere.

Am 7. Dezember wird die Musicalversion der Kinokomödie „Der Schuh des Manitu“ zum ersten Mal im Theater des Westens in der Kantstraße aufgeführt. Michael „Bully“ Herbig, der Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller des Originals, wird in dem Musical nicht selbst mitspielen. Obwohl er ständig dazu gedrängt werde, behauptet er, aber der 40-Jährige ist zu beschäftigt, sein nächster Film „Wickie und die starken Männer“ soll schon 2009 in die Kinos kommen. Deshalb hat er für das Musical nur die Aufgabe des „Kreativdirektors“ übernommen. Das kann in dieser Branche eine Menge heißen, zum Beispiel: Geld kassieren, keine vorgeschriebenen Arbeitszeiten haben und ab und zu aus der Ferne einen guten Rat geben. Bei Bully ist das anders, versichert er jedenfalls. Er wird über „jedes kleine Detail“ informiert und hat immer das letzte Wort. Und überhaupt war das Musical seine eigene Idee. Vor acht Jahren schon. „Leider war mir die Musicalszene fremd, ich kannte nur den Broadway, und da zu fragen habe ich mich nicht getraut.“

Vielleicht ist es ganz gut, dass Herbig nicht selbst mitspielt. Denn zu zwei Dritteln besteht das Stück aus Gesangseinlagen, und Herbig sagt selbst, dass Singen nicht zu seinen großen Talenten gehört. Drei Lieder gab es im Film, auf der Musicalbühne sind es 30. Sie tragen Titel wie „Wieder mal am Marterpfahl“ oder „Ich trinke Ouzo und was tust du so?“, das klingt erst mal schrecklich albern. Aber wer den Sängern bei ihren Proben zusieht, kann sich vorstellen, dass das Musical ein Erfolg werden könnte.

Die Macher behaupten, dass sie nicht bloß den Film kopieren wollen, aber tatsächlich stehen alle Sprüche im Skript, die im Film gut ankamen und in der Zwischenzeit zu geflügelten Worten geworden sind: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“ zum Beispiel oder das Indianergrußwort „Servus“. Und sicher wird auf der Puder-Rosa-Ranch mit Prosecco angestoßen.

„Der Schuh des Manitu“ ist die erste Berliner Musicalneuproduktion seit vielen Jahren. Zehn Millionen Euro kostet sie, das Geld geht für die Kulissen, Kostüme und Darstellergehälter drauf. Und für die Männerriege, die extra aus den USA eingeflogen wurde. Die Produktionsfirma spricht ganz unbescheiden von einem „internationalen Kreativteam“, ja sogar von den „besten Fachleuten der Welt“. Bei den Proben klingt es jedenfalls furchtbar komisch, wie der New Yorker Regisseur mit breitem Akzent von „Abahachi“ und „Häuptling Listiger Lurch“ erzählt. Schade, dass er nicht selbst auf der Bühne stehen wird.

Für Michael Herbig wird das Projekt wohl ein einmaliges Abenteuer bleiben. Ob seine anderen Kinofilme auch Musicalpotenzial haben, wisse er nicht. Aber Herbig lässt sich ein Hintertürchen offen: Sollte seine Filmkarriere einmal richtig schlecht laufen, könnte das Musical eine Alternative sein. „Dann rufe ich an“, sagt er. Der Sprecher des Theaters kontert trocken: „Klar, Schauspieler für Nebenrollen werden bei uns immer gesucht.“ Sebastian Leber

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