Zug der Erinnerung : Erinnerungen auf dem Abstellgleis

Der Zug der Erinnerung kommt nach Berlin und wird wohl auf einen still gelegten Bahnhof geleitet. Statt in Spandau soll die fahrende Ausstellung über deportierte Kinder und Jugendliche im Dritten Reich in Johannisstift halten.

Mit seiner historischen Dampflok und mehreren Ausstellungswaggons, in denen anhand von Einzelbiografien an die Deportationen von Kindern und Jugendlichen durch das Naziregime unter Nutzung der Reichsbahn erinnert wird, soll der Zug der Erinnerung an mehreren Stationen in Berlin halt machen. Ab dem 8. Mai soll er auf dem früheren Deportationsbahnhof Grunewald halten, wo auch eine Gedenkveranstaltung geplant ist. Danach stehen Spandau, Mitte, Schöneweide und Ahrensfelde auf dem Plan mit jeweils drei Tagen Aufenthalt, sagte der Vorstandssprecher des Vereins, Hans-Rüdiger Minow. Doch jetzt gibt es Streit zwischen dem Betreiberverein des Zuges der Erinnerung und der Deutschen Bahn.

Den mehrtägigen Halt in Spandau lehnt das Schienenverkehrsunternehmen aus betrieblichen Gründen ab. Die Bahn wolle dem Zug der Erinnerung keine Steine in den Weg legen, sagte ein Unternehmenssprecher. Doch am stark vom Nah- und Fernverkehr genutzten Bahnhof Spandau seien die Auswirkungen für die Kunden zu groß. Ersatzweise habe man den Güterbahnhof Johannesstift an der Schönwalder Allee angeboten. Auch Bezirksbürgermeister Konrad Birkholz (CDU) bat den Verein, den Spandau-Stopp des Zuges dorthin zu verlegen.

Der Verein ist damit nicht einverstanden. Dort kämen nur Besucher, die auch in ein Museum gehen würden, meint Minow. Fast die Hälfte der Menschen, die man anspreche, seien aber Laufpublikum. Die Bahn gibt sich kulant. Man habe auch Grunewald und Oberschöneweide als Station angeboten, sagte der Bahnsprecher. Als weitere Standorte habe man die Bahnhöfe Potsdamer Platz und Treptower Park angeboten. Hinsichtlich des Bahnhofs Ahrensfelde verhandle man noch mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Noch am Mittwoch will die Bahn ihre offizielle Entscheidung bekannt geben, die dann von der Bundesnetzagentur auf Rechtmäßigkeit geprüft wird. Deren Entscheidung will auch der Verein akzeptieren. du-

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