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Zugezogen, abgewandert : Berliner Blase

13.06.2009 00:00 UhrVon Henning Sussebach
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Christos Willkommensgruß für Neu-Berliner. - Foto: dpa

Es gibt Sachen, die macht man nicht. Oder doch? Henning Sussebach hat Berlin den Rücken gekehrt. Hier die Bekenntnisse eines abgewanderten Zugezogenen. Kommentare und eigene Bekenntnisse ausdrücklich erwünscht!

Der Zweifel wohnt in meinem Magen. Tief drin, vergraben in Geschäftigkeit. Seit einem Jahr ringt er mit mir, und ich ringe mit ihm. Ich glaube, ihn ganz gut im Griff zu haben, so lange jedenfalls, bis „Wir sind Helden“ im Radio singen oder einer dieser neuen deutschen Filme wieder vor Berliner Kulisse spielt. Dann sticht mich dieser heiße Schmerz, als wäre mir ein unverzeihlicher Fehler unterlaufen. Als hätte ich auf irgendeiner Party der Freundin meines Freundes ins Dekolleté gegriffen. Oder im Büro den Chef geohrfeigt. Wie unerklärlich. In meinem Falle ist es so: Ich bin fortgezogen aus Berlin. Nach Schleswig-Holstein.

Jeder Berliner wird wissen, was ich meine – denn es gibt Sachen, die macht man nicht.

Alle anderen werden meinen latenten Fortziehschmerz wohl nachempfinden können, wenn ich erzähle, wie, wann und warum ich einst nach Berlin gezogen bin. Aus denselben Gründen nämlich wie alle 123.336 anderen, die 1995 mit mir in die große Stadt aufbrachen. In einer Art Jugendbewegung.

Ich kam mit 23 Jahren, für meinen ersten Job. Doch das war es nicht allein. Wer, sagen wir, von Karlsruhe nach Kassel zieht, der zieht einfach um. Nach Berlin zu gehen, hat dagegen etwas Epochales, zumindest für das eigene Empfinden. Und die Eltern machen sich auch mehr Sorgen. Denn den Deutschen – ob in Pforzheim oder Pirmasens, Bochum oder Bremen – ist ihre Hauptstadt doch erstaunlich fremd: so groß, so bunt, so wild, so alt, so neu. So fern, vor allem das.

Mein erster Anlaufpunkt in dieser Fremde war der graue Bahnhof Berlin-Lichtenberg, der jetzt, in der Erinnerung, wie ein deutsches Ellis Island vor mir steht, eine Immigranteninsel im weiten Häusermeer. Die Bahnsteige voller junger Menschen mit schwerem Gepäck auf den Schultern, Stadtplänen in den Händen und Optimismus in den Augen. Vom ersten Tag an war man: Berliner.

Christo baut eine Umzugskulisse

Es war der Sommer, in dem Christo und Jeanne-Claude den Reichstag verhüllen ließen, was mein epochales Empfinden noch verstärkte: Da hatte mir jemand eine grandiose Umzugskulisse gebaut. Ich folgte den Trecks jener Klassenkameraden und Kommilitonen, die mir ein paar Monate voraus waren, und zog ihnen nach in Richtung Prenzlauer Berg und Mitte. Dort war so viel Brache, die zu besetzen war. So viel Platz für Projektionen. So wenig Fertiges, das jedem sofort wieder Funktion und Rolle zugewiesen hätte. Die Wohlstandskinder aus dem Westen, wie ich eines war, berauschten sich an diesem Provisorium im Osten, das so viel provisorischer war als Bonn. Nach Berlin zu gehen, das war wie Auswandern, ohne eine fremde Sprache lernen zu müssen. Und noch dazu war alles so billig. Wie gern berichteten wir unseren Eltern davon, dass wir zum Heizen wieder Kohlen aus dem Keller trugen, statt ihr bequemes Fernwärmeleben fortzuführen. Dass wir mit Gas kochten und nicht auf Ceran. Dass wir in Seen badeten, nicht in Freibädern. Und dass wir das alles per Brief erzählen mussten, weil wir noch immer kein Telefon hatten.

Unser Dasein erschien dadurch echter, edler, existenzieller. Über der Stadt lag der Geruch von Kohlefeuer und ein Geräusch, das ich aus der alten Bundesrepublik nicht kannte. Ein Summen, das sich aus der überall gestellten „Und wo wohnst du?“-Frage ergab – und aus den Antworten der neuen Siedler, die Auskunft gaben über die Adresse („Oderberger“), die Zimmerzahl („zwei“), die Quadratmeter („fünfzig“) und die niedrige Miete („hundertachtzig“), über die Lage im Häuserblock („Seitenhaus“), das Stockwerk („viertes“), die Raumhöhe („dreisiebzig“), sämtliche Ausstattungsmerkmale („Stuck, abgezogene Dielen, Ofen mit echten Jugendstilkacheln“) und die Ausrichtung ihres Balkons („Süd! Ich kann sogar die Spitze vom Alex sehen!“). Ich hielt das zunächst nur für ein Großstadtphänomen, einen Schneckenhausgedanken: Je mehr Getöse draußen, desto wichtiger der Rückzugsraum. Dabei handelte es sich um das Gegenteil: Anders als in New York, wo man nach einjähriger Wohnungssuche dankbar in irgendein 1000-Dollar-Loch in irgendeiner finsteren Straße zieht, hatten wir in Berlin fast freie Wahl. Und wenn schon der Umzug hierher identitätsstiftend wirkte, war das die Wohnung erst recht.

Abgesehen vom Ur-Berliner wohnt man in Berlin nicht irgendwo, nicht zufällig. Man lebt überall mit voller Absicht, kann man doch über seinen Bezirk, seine Straße, seine Wohnung auch sein Selbstbild formen. Was beweist eine Wohnung am rechten Ort nicht alles? Ortskenntnis, Beharrlichkeit, Persönlichkeit.

Den Charme des Provisorischen unbedingt erhalten

Nirgends wohnt man also bewusster als in Berlin. Und nirgends spricht man mehr darüber – und damit über sich selbst. Zusammen ergibt das dieses ganz spezielle Berliner Selbst-Bewusstsein. Dazu gehörte schon damals der Eifer (auch meiner), in der neuen Sesshaftigkeit unbedingt den Charme des Provisorischen zu erhalten – zunächst mit dem strikten Verzicht auf Tapeten. Im Winter dann mit Kerzen in Bad und Küche, in Mengen, die wohl den halben Vatikan erleuchtet hätten. Im Sommer mit Sesseln und Sofas, die man auf die Bürgersteige stellte. Und im ganzen Jahr mit dem Versuch, den eigenen Hausstand ausschließlich auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden zusammenzusuchen.

Am einfachsten und effektvollsten war ein Frühstück auf dem Dach. Bis irgendwann alle auf den Dächern frühstückten, was die Sache wieder öde werden ließ.

Anscheinend war jeder nach Berlin gezogen, um sich auszuleben und kreativ und individuell zu sein – was noch mehr anregte (und verpflichtete), sich auszuleben und kreativ und individuell zu sein. „Berlin“, hat meine Kollegin Heike Faller in der „Zeit“ geschrieben, sehe an vielen Ecken so aus, „als habe jemand in der Nacht einen Traum gehabt und gleich nach dem Aufwachen beschlossen, ihn in die Tat umzusetzen“. Deshalb gibt es hier ein Schwimmbad, das im Wasser der Spree schwimmt. Deshalb luden uns Freunde bei minus fünf Grad zum Adventsgrillen in ihren hart gefrorenen Garten ein. Deshalb war die Wohnung, in der eine Beachparty gefeiert wurde, komplett mit Sand ausgeschüttet. Und deshalb hatten die Ampeln im Prenzlauer Berg eines Morgens Lichter in Herzform.

All das, schrieb Heike (wir duzen uns in Berlin), vermenge sich zu diesem unverwechselbaren Berlin-Gefühl: „Mach, worauf du Lust hast. Es geht.“ Selbst wer keine Ideen hat, profitiert von denen der anderen. Berlin lädt seine Bewohner mit Bedeutung auf, ganz von selbst.

Historie lässt den einzelnen wachsen

Denn da ist so viel Geschichte. Fast jede Wohnung schon zigmal bewohnt, jeder Kachelofen schon zigmal benutzt, jede Wand schon zigmal gestrichen, fast jede Fassade weltkriegsgelöchert, beinahe jedes Haus mit seiner eigenen Pogromnacht und seinem eigenen Stasi-Fall, fast jede Straße von historischen Figuren ausgetreten. Das macht den Einzelnen im Hier und Jetzt nicht kleiner, sondern lässt ihn wachsen, Teil des großen Ganzen werden.

Ich weiß nicht genau, wann mir die Zwiespältigkeit dieses Berliner Daseins bewusst wurde. Wann die Lockerheit verkrampft wirkte und das Streben nach Einzigartigkeit wieder zu Einförmigkeit führte – in Wahrheit und in meiner Wahrnehmung, was ja länger dauert, weil damit Selbsterkenntnis verbunden ist. Nach ein paar Jahren trug ich jedenfalls dieselbe individuelle Brille und denselben individuellen Dreitagebart wie alle anderen Männer in meinem Alter. Und als all die Architekten, Grafiker und Webdesigner begannen, die Bürofenster in den Erdgeschossen der inzwischen sanierten Altbauten auf Schaufensterformat zu vergrößern, konnte man noch denken, sie wollten die Stadt, dieses große Miteinander, weiterhin mit ihrer Kreativität fluten. Manchmal sah es aber auch so aus, als wollten sie einfach nur gesehen werden.

Wenn das Berlin-Gefühl ein Ding wäre, denke ich jetzt manchmal, dann wäre es ein Spiegel. Ein Spiegel, in dem sich der vor Jahren zugezogene Berliner in einer Mischung aus Freude und Furcht selbst betrachtet. Denn seine stete Selbstdefinition hörte mit der Wahl der Wohnung nicht auf. Sie fing damit an. Seither läuft ein endloses Update des eigenen Ego. Und es ist wie immer, wenn ein Mensch in den Spiegel blickt: Er tut es selbstkritisch und zugleich voller Eitelkeit.

Ich habe, auch das denke ich jetzt manchmal, nie an einem Ort gelebt, an dem man so schnell so tief in Gespräche versinken kann wie in Berlin – über Bücher, Filme, Lebensentwürfe. An dem sich fast jeder gesellschaftlich mehr oder weniger relevante Fragen stellt – bis ins letzte Detail: Bio-Eier oder nicht? Öko-Strom oder nicht? Auto oder U-Bahn? Dahinter steht eine Selbsterkundung: Wer bin ich? Und wie will ich leben?

Die neuen Konventionen

Andererseits war ein Ei irgendwann nicht mehr nur ein Ei und eine Möhre nicht mehr nur eine Möhre. Alles und jedes konnte aufgeladen sein und ein Urteil über seinen Besitzer fällen. Irgendwann stellte sich nicht mehr die Frage, ob man ins Café geht, sondern in welches. Nicht die Frage, ob man im Bioladen einkauft, sondern ob der Bioladen einer Kette angehört. Nicht die Frage, ob man ins Kino will, sondern ob man sich den Film im Originalton mit Untertiteln ansieht.

Menschen, die nach Berlin gezogen waren, um Konventionen hinter sich zu lassen, hatten sich neue Konventionen auferlegt. Andere zwar, aber nicht weniger. Und wenn man dann einen Artikel darüber schreibt, wie ausgiebig sich der Berliner mit sich selbst beschäftigt, tut der Berliner nichts anderes, als sich ausgiebig mit diesem Artikel zu beschäftigen.

Berlin is the best place to be, diese Überzeugung ist Kern des Berlin-Gefühls, Artikel 1 der Berliner Staatsbürgerschaft – und das stimmt ja auch. Denn Berlin ist einzigartig, eine Stadt wie ein Appell an jedes Ego, bloß nicht zur Ruhe zu kommen. „Be Berlin!“, ruft die Stadt in ihrer Eigenwerbung. Wenn Berlin einer Biografie etwas Epochales verleiht, etwas Exklusives verspricht, dann ist es die Verlängerung der Jugend. Deshalb kommt man hierher, und deshalb geht man nicht von hier weg – weil es das Eingeständnis wäre, alt geworden zu sein. Und so normal, wie es die Eltern waren.

Selbst für den, der irgendwann doch normal geworden ist, bietet Berlin – wie zum Dank für alle Inspiration der frühen Jahre – eine Kulisse, um sich darüber hinwegzutäuschen. Man zieht hier nicht ins Reihenhaus, sondern ins Townhouse (auch wenn es hinter schmiedeeisernen Zäunen steht und einen Kamin hat). Kategorien, in denen die Eltern leben (Erfolg, Misserfolg, dickes Auto ...) sollen nicht zählen. Denn Berlin ist arm, aber sexy. Weshalb nur ungern eingestanden wird, dass man doch eine Putzfrau hat.

Berlin ist – und das ist so einzigartig wie die Garantie auf ewige Jugend! – nach außen hin unglaublich egalitär: Beim Brunch im Straßencafé sehen alle gleich aus, der Junge wie der Alte und der Alte wie der Junge, der Reiche wie der Arme und der Arme wie der Reiche. Wer abends mit einer Flasche Bier durch die Straße schlendert, ist nicht Penner, sondern Bohemien. Wer keine Arbeit hat, hat ein Projekt. Und wer Arbeit hat, geniert sich manchmal, kein Projekt zu haben, weil das irgendwie besser klingt. Echter, edler, existenzieller. Nach Flohmarkt und Kerzen.

Der Wahl-Berliner Jens Bisky hat einmal über die Berliner geschrieben: „Im Wesentlichen handelt es sich um Leute mit prekärer, stets gefährdeter Existenz. Sie haben dafür gesorgt, dass Berlin inzwischen die einzige Stadt in Deutschland ist, in der eine gelungene Formulierung, eine unerwartete Geste, ein gelungener Auftritt mehr zählen als Status und Einkommen. Geld spielt im sozialen Leben der Stadt eine unvorstellbar geringe Rolle.“ An sich ist das gut, die neoliberale Raserei war ja auch kein Geschäftsmodell, wie sich gerade zeigt. Es ist, als habe Berlin eine Lebensform gefunden, die Armut ertragen lässt – eben auch, weil die Reichen alles tun, um nicht reich, aber unsexy auszusehen. Allerdings wird vergessen, dass manche gelungene Formulierung, manch gelungener Auftritt, manche verlängerte Jugend von den Eltern in ihren Fernwärmehäusern bezahlt wird. In der Politik heißt das „Länderfinanzausgleich“.

Gibt es ein Leben außerhalb Berlins?

Doch was ist so etwas Abstraktes wie der Länderfinanzausgleich gegen so etwas Konkretes wie den Berliner Sommer mit seinen Strandbars und Freiluftkinos? Gegen das schwimmende Schwimmbad und die herzförmigen Ampeln? Ich glaube, fast jeder, der hierhergezogen ist, sagt irgendwann den Satz: „Ich könnte nicht mehr zurück nach ...“ Da ist eine Gewissheit, die in der Frage gipfelt: Gibt es ein Leben außerhalb Berlins?

Der ganze Westen Deutschlands zum Beispiel: ein Freilichtmuseum der 1960er und 1970er Jahre! Als habe sich dort seit vier Jahrzehnten nichts getan, vielleicht auch nicht in den Köpfen. Oder Brandenburg: ein sandiges Spießer-Reservat! Landschaftlich ganz schön, wunderbar zum Paddeln, aber wohnen könnte man dort nicht. Fast hofft man darauf, dass der Cappuccino am See bloß Filterkaffee mit Sprühsahne ist, um sich dann darüber lustig machen zu können. Wie kann man also nur so blöd sein wegzuziehen? Das macht doch keiner, oder?

Das Berliner Amt für Statistik hat im Jahr 2007 genau 126.947 Zuzüge gezählt. Und 114.941 Fortzüge. Das hat mich überrascht. Man kennt nur die Zuzugsgeschichten, weil das Abenteuergeschichten sind, Goldgräbergeschichten, von denen gern erzählt wird. Die Fortzugsgeschichten werden still abgewickelt, verschämt wie ein Umzug ins Altersheim.

Ich habe lange mit mir gerungen. Und ringe bis heute – mit meinem Berliner Ego. Bei mir war es eine berufliche Entscheidung, was die Sache nicht besser macht, denn berufliche Entscheidungen sind aus Berliner Sicht wohl besonders unsexy. Weil sie mit Arbeit zusammenhängen, also indirekt mit Reichtum, zumindest mit weniger Armut. Und mit Anpassung. Meine Frau und ich haben jetzt ein Haus gebaut – am Stadtrand einer Vorstadt von Hamburg. Hier grenzt Haus an Zaun an Haus an Zaun an Haus. Die Nummer 51 mit der Buchenhecke, das sind wir.

Es ist wie früher, vor Berlin: so viel Fertiges, in dem allem und jedem Funktion und Rolle zugewiesen ist. Vater, Mutter, Kind. Ehemann, Ehefrau. Erstwagen, Zweitwagen. Aus meinem Mund kommen Begriffe, die ich in Berlin niemals benutzen musste („Carport“ und „Rasenkantenstein“). Die Regionalbahn nach Hamburg fährt alle 30 Minuten. Es gibt kaum Graffiti am Bahnhof. Es gibt ein gutes Café, kein Kino, dafür viele Optiker und Alte. Der Bademeister im Schwimmbad kennt jeden Arschbombenpubertisten mit Namen. In der Nachbarschaft hat niemand ein Projekt, aber alle haben Arbeit. Es werden gerade viele vierzigste Geburtstage gefeiert. Paare laden Paare zum Essen ein, auf den Tischen liegen Serviettenringe. Einmal im Jahr liest Harry Rowohlt.

Wenn der Zweifel sticht

Wenn ich abends ins Bett gehe, ist es draußen so still und dunkel, dass ich denke, ich sei ganz allein auf der Welt. Dann sticht mich wieder der Zweifel.

Dann rauszugehen hilft nicht. Weil da nichts ist, woran man sich festhalten könnte. Man muss hier allein auf die Ideen kommen, die in Berlin andere für einen hatten. Das gelingt nicht immer, und das ist tatsächlich ein Verlust; wie die fehlende Strandbar, der fehlende Fernsehturm, die fehlenden Bettler, auch die. Mein Fortziehschmerz ist also echt. Und die Selbstbild-Hege des Berliners hat meine Frau und mich noch nicht losgelassen: Unser Haus besitzt als einziges ein Flachdach. Wir haben keine Tapeten an den Wänden und keinen Zaun im Garten. Und wir grillen jetzt immer im Advent. Das reicht, um hier beinahe als Paradiesvögel zu gelten.

Und doch ist da auch ein Gewinn, der sich für mich so groß anfühlt wie der Verlust, denn es gibt sehr wohl ein Leben außerhalb Berlins. (Und ich werde jetzt nicht mit unseren Kindern anfangen, die in der Vorstadt endlich die Freiheit haben, die sie in der Hauptstadt nicht hatten. Berlin, das war zu meinen Gunsten – und auf ihre Kosten. Aber dies als Argument allein wäre zu billig.)

Mein Gewinn ist schwer zu beschreiben, er ist nur ein Gefühl, aber epochal, zumindest für das eigene Empfinden: Ganz häufig, meistens morgens, habe ich nun den Eindruck, ich könnte wieder freier denken, tiefer atmen, und das liegt nicht nur an der frischen Luft. Denn draußen vor der Tür ist ... nichts. Keine Kulisse, die die eigene Existenz wie von selbst veredelt. Kein Hype, auf dem das Ego surfen kann. Keine Mode, hinter der man sich verstecken könnte. Manchmal ahne ich: Man muss hier selber leben.

So hat Henning Sussebach, 37 ("Die Zeit") im aktuellen „GEO Special“ sein Berlin-Gefühl beschrieben. Dies ist eine gekürzte Version. Und was meinen Sie? Schildern Sie uns Ihr Berlin-Gefühl, egal ob Zugezogene(r), Abgewanderte(r) oder Ur-Berliner(in). Nutzen Sie dazu bitte die Kommentar-Funktion weiter unten.

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