Stadtleben : Zukunftsmusik für Kinderohren

Beim Tag der offenen Tür im Zirkus, im Konzerthaus und im Musicaltheater

Daniela martens

Der Bogen schrappt über die Cello-Saiten. Das sollte eigentlich ein bisschen anders klingen. Die vierjährige Caroline mit der Ringelstrumpfhose versucht gerade zum ersten Mal in ihrem Leben einem Cello ein paar Töne zu entlocken. Obwohl es eines für Kinder ist, endet der Hals des Instruments weit über dem Lockenkopf des Mädchens. „Versuch’ es doch noch mal mit Zupfen“, schlägt Cellistin Almut Eschenburg vor. Das zaghafte Plonk geht in einer Kakophonie unter: Überall im Raum probieren Kinder Musikinstrumente aus: eine Harfe, Geigen und einen quietschgrünen Kinder-Kontrabass.

Sonntagvormittag, Tag der offenen Türen an drei sehr unterschiedlichen Orten der Unterhaltung: im Theater am Potsdamer Platz, im Zelt des Zirkus Salto Natale am Leipziger Platz – und im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Dorthin ist die kleine Cellospielerin Caroline mit ihrem Vater Martin Vosseler gekommen: „Es ist eine gute Gelegenheit, um Kindern die Instrumente nahe zu bringen. In einem normalen Konzert ist die Atmosphäre dazu viel zu angespannt“, sagt er.

Ein Stückchen weiter erklärt Solokontrabassist Stephan Petzold, dass sein Bogen aus mongolischem Pferdehaar ist und legt seine große Hand über die winzige der dreijährigen Wilhelmina. So spielen sie gemeinsam „Hänschen Klein“. „Wenn man mit fünf anfängt, hat man mit 25 ausstudiert“, sagt Petzold. Caroline will am liebsten „ganz bald“ anfangen, richtig Cello zu spielen. Wilhelmina hat es eher die Geige angetan. Dann geht es weiter in den großen Saal, wo Barocktrompeten vorgestellt werden. Wilhelminas kleiner Sitznachbar turnt auf seinem Stuhl herum, ein paar andere Kinder fangen an zu quietschen. Aber das stört heute alles nicht.

Nicolais Zukunftspläne sind schon konkreter als die von Caroline und Wilhelmina. Nicolai ist auch schon acht Jahre alt. Er will Sänger und Schauspieler werden. 20 Minuten hat er deshalb in der endlosen Schlange im Foyer des Theaters am Potsdamer Platz gewartet, um einen Blick hinter die Kulissen des Abba-Musicals „Mamma Mia“ zu werfen. Und jetzt darf er mal eins der silbernen Glitzerkostüme hochheben. Die kleine Hand kann den Bügel kaum halten – so schwer ist das Kostüm. „Weil es mit 400 Steinen besetzt ist“, sagt die Kostümbildnerin. Plötzlich ist Nicolai ganz aufgeregt: „Guck mal, da ist der Bühnenaufgang.“ Aber davor hängt ein Schild: „Kein Durchgang“. Nicolai guckt enttäuscht. „Auf deinen ersten Auftritt musst du wohl noch ein bisschen warten“, sagt die Großmutter.

Vivien und Antonia hätten auf jeden Fall schon mal eine gute Nummer für einen großen Auftritt. Die beiden Schwestern, neun und zehn Jahre, balancieren synchron auf zwei großen bunten Medizinbällen. Das Gleichgewicht halten sie mit kleinen Trippelschritten. Sie toben sich seit fast zwei Stunden im Zelt des Zirkus Salto Natale aus. Die Nummer mit dem Ball hat ihnen der 17-jährige Jeffrey Hein von der Staatlichen Artistenschule Berlin beigebracht: „Je jünger man ist, desto leichter lernt man das.“ Aber auch Viviens und Antonias Vater hat heute etwas gelernt: Er balanciert einen Teller auf einem Stock – und kann sich dabei sogar unterhalten. Daniela martens

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