Stadtleben : Zurück auf Los

Berlins teuerste Partyimmobilie öffnet wieder: Im Goya feiern ein Jahr nach der Pleite Schwule und Lesben

André Görke

Na, das kann ja heiter werden. Seit Tagen wird im Nachtclub „Goya“ der Staub vom Tanzparkett gewischt, denn schon in zwei Wochen wird die teuerste Partyimmobilie Berlins wiedereröffnet – gut ein Jahr nach der Pleite. Am 16. Juni feiern „Lesben, Schwule und Transvestiten“, sagt der neue Goya-Chef Stephan Gerhard. Für den ersten Abend reist er extra mit seiner Frau aus München an.

Das wird also der schrille Auftakt sein. Und es ist nicht das einzige Detail, was nun geklärt ist – auch die Namensfrage. Das Goya am Nollendorfplatz heißt nun doch weiterhin: Goya. Die vier markanten Buchstaben an der Fassade bleiben dran.

„Das Image des Clubs war schlecht – aber der Ruf des Gebäudes ist irre.“ Wer das Wort Goya höre, habe spektakuläre Architektur vor Augen und „keine Alltags-Kaschemme“, sagt Gerhard. Außerdem würden die Leute denken: Mensch, ist das nicht dieser irre teure Laden, wo mal eben zehn Millionen Euro verblasen wurden? Schickimicki-Test bestanden.

Stephan Gerhard, 52 Jahre alt, ist Chef der Unternehmensberatung Treugast. Sie übernahm einst das Veranstaltungsgeschäft im insolventen Tempodrom, Gerhard ist auch Geschäftsführer der Erotik-Tanzshow „Belle et Fou“, die nun am 15. Juni wieder aufmachen soll.

Vor einigen Tagen hat er seinen schwarzen Mercedes S230 („ein Glücksgriff, den habe ich in Frankreich gefunden“) auf dem Innenhof des Goya geparkt. Ein kleiner Ortstermin stand an, „wollen wir reingehen?“. Also los, Tür auf.

Am 2. Mai vorigen Jahres hat der Insolvenzverwalter die Tür für viele Monate zugemacht. Die Fakten am Ende waren die: keine Gäste, fünf Millionen Euro Schulden, 89 entlassene Mitarbeiter und 2700 Aktionäre und Baufirmen, die viel Geld in das vom Stararchitekten Hans Kolhoff umgestaltete Gebäude gesteckt hatten und stinksauer waren. Auch Gerhard hat dort sein Geld verloren, war für 2400 Euro Kleinaktionär – allerdings aus einem anderen Grund. Nur so durfte er sich die Finanzierungsmodelle genau anschauen.

Schön sei der Club auch unter dem alten Macher Peter Glückstein gewesen. Doch das Konzept soll nun ein anderes sein, um eine der ältesten, legendärsten und auch größten Partyimmobilien nach vorn zu bringen. Die Treugast hat das ehemalige Metropol-Theater zehn Jahre gemietet. Und sie wird es weitervermieten – „wir selbst werden keinen neuen Club aufmachen und betreiben“.

Der Laden wird abgemagert: Die 1,2-Millionen-Euro-Küche hat der Eigentümer wieder eingepackt. Ein Restaurant wird es nicht mehr geben, die neuen Betreiber setzen auf Caterer, die ihre Platten mitbringen. Auch das Mobiliar – früher gab es edle, dunkle Holztische – werde nur gemietet. Und was den Sound angeht: Die 1,5-Tonnen-Boxen hängen noch an der Wand, sie waren viel zu groß und die Soundanlage mit insgesamt 430 000 Euro viel zu teuer. Die krummen Boxen sind übrigens jene „Bananen“ genannten Ungetüme, die auch unter dem gewaltigen Dach des Olympiastadions hängen. So viel zur Gigantomanie. Vielleicht tut’s in Zukunft auch eine Nummer kleiner.

Gerhard war als Student Chef einer Popper-Disko in Heidelberg. „Ich weiß, wie die Läden funktionieren, aber ich war kein DJ.“ Er war der Geschäftsmann. „Wir benötigen 120 Veranstaltungen pro Jahr“, sagt er nun, zehn Termine seien in seinem Haus bisher gebucht. Servicekräfte werde er über Agenturen buchen, eine Handvoll Leute einstellen – nicht aber 89 Menschen wie früher, wo doch an manchen Abenden nur 300 Gäste kamen.

Auch Umbauten stehen an, allerdings für „weniger als 300 000 Euro“. Die Bar auf der Bühne soll entfernt werden, damit auch Orchester dort Platz finden. Klassikkonzerte passten ins Goya, sagt Gerhard, vielleicht auch „abgefahrene Hip-Hop- Konzerte“ vor bis zu 1000 Fans. Wo finde man denn in West-Berlin einen eleganten Club, der nicht zu modern, aber eben auch nicht altbacken ist. Zumal auch der Kiez optimal sei: „West-Berlin, Schwulenszene, U-Bahn, der Strich – die Gegend ist nicht so brav“, sagt er. Das zieht.

Eine Alternative gab es übrigens zum neuen, alten Namen. „Metropol 1905“, das Erbauungsjahr. Aber irgendwie klang das zu sehr nach Fußballverein. Und damit wenig verrucht.

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