STADTMENSCHEN : 160 Kilometer die Mauer entlang

Marie Rövekamp

Erst vor vier Wochen ist Hajo Palm 217 Kilometer weit gelaufen. 40 Stunden lang durch Kalifornien, bei 50 Grad durch eine Senke, die nicht ohne Grund Death Valley heißt – Tal des Todes. Da ist der Mauerweglauf für den 63-jährigen Berliner schon fast ein Spaziergang. Am kommenden Sonnabend schnürt der Ultra-Marathonläufer wieder seine Schuhe, um die ehemalige deutsch-deutsche Grenze abzulaufen. Für die Veranstalter wird die zweite Auflage des Rennens vor allem eins sein: ein Lauf der Erinnerung.

Die Strecke entspricht dem ehemaligen Grenzpatrouillenweg, die Verpflegungspunkte der Teilnehmer sind an ehemaligen Wachtürmen und Gedenkstätten eingerichtet. „Schon der Marathon an sich erinnert an den Sieg Athens über die Perser“, sagt Horst Milde, Begründer des Berlin-Marathons. „Von daher passt es gut, dass der Mauerweglauf auch an Ereignisse und Personen erinnern soll.“ Andreas Statzkowski, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, nennt den Lauf ein Beispiel für Sport, der gesellschaftlich Stellung bezieht.

250 Männer und Frauen starten am Sonnabend um sechs Uhr morgens. 30 Stunden später werden wahrscheinlich 80 bis 90 Prozent von ihnen die gesamte Strecke geschafft haben, schätzten die Initiatoren Ronald Musil und Alexander von Uleniecki, die sich 2009 zufällig auf dem Weg zu einem Marathon in Kiel kennenlernten. „Wir wollten auch auf den Mauerweg aufmerksam machen“, sagt Musil.

Hajo Palm will die Distanz in 21 Stunden schaffen. Mit ein bis zwei Liter Wasser pro Stunde. Ohne Pause. Mehr noch als den Weg hat er deswegen das Ziel im Blick. Marie Rövekamp

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