Berlin : Stadtmenschen: Abschied einer Kämpfernatur

C. v. L.

Über die Jahre hinaus wurde er der bekannteste Berliner Stadtrat. Einer, der auf ruhige Art hartnäckig kämpfte, mitunter wie Don Quichote gegen Windmühlen: Gegen den Wohnungsleerstand beispielsweise, oder gegen die Route der Love Parade durch den Tiergarten. Gestern feierte er nun mit vielen Weggefährten Abschied im Rathaus Tiergarten. Horst Porath, SPD-Lokalpolitiker seit 30 Jahren, wird - weil die Partei-Verhältnisse es so wollen - nicht mehr im neuen Bezirksamt Mitte arbeiten. Als Stadtrat für Schule, Sport und Kultur wachte er dort zuletzt auch noch über das Wohnungsamt, das ließ er sich als ehemaliger Baustadtrat nicht nehmen, und mit einem Bußgeldbescheid von 24 000 Mark wegen Leerstands verabschiedete er sich standesgemäß. Rund elf Jahre war er Tiergartener Baustadtrat, genehmigte beispielsweise die Neubauten am Potsdamer Platz oder im Tiergarten-Dreieck. Er prangerte Wohnungsleerstand und "Zweckentfremdung" an, und von allen Bezirksämtern wirkte das Tiergartener bei der Wohnraum-Kontrolle am aktivsten. Die Bußgelder sollen der Landeskasse mehr als eine Million Mark eingebracht haben. Den Kampf gegen die Love Parade im Tiergarten verlor Porath. Gewonnen hat er jetzt mehr Freizeit, vorerst.

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