Berlin : Stadtmenschen: Älter werden mit Frau Berben

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Diese Woche im KaDeWe. Iris Berben ist eine ehrliche Frau. Das Altern, so sagt sie, lässt sie durchaus nicht kalt. "Die Zeit ist wie mit einer Dampfwalze hinter mir her, und das macht mir schon manchmal ein bisschen Angst." Ausgesprochen hat sie das zu gegebenem Anlass - als sie am Mittwochnachmittag ihr gerade erschienenes Buch "Älter werde ich später. Das Geheimnis, schön und sinnlich, fit und entspannt zu sein" im KaDeWe signierte (Mosaik-Verlag, 36 Mark). Die Schlange der Wartenden war lang, und Iris Berben blieb länger auf ihrem Podest sitzen. Zeit genug für alle Anwesenden, genau hinzugucken: "Die muss ja winzige Füßchen haben, wenn sie in diese spitzen Schuhe hineinpasst", wundert sich eine. "Nein, nein. Ganz normale 38er Größe", beruhigt die Schlangen-Nachbarin. Die weiß zwar schon alles über die Schauspielerin. Aber was der Zahnarzt oder der Friseur der schönen Berben Wichtiges zu sagen hat, das interessiert sie dann doch (Ersterer poliert zweimal im Jahr die Berben-Zähne mit Handinstrumenten, während der Friseur nach dem zweiwöchentlichen Färben die Haare mit einer Jojoba-Lotion behandelt). Einer der wenigen eingereihten Herren wundert sich, warum ausgerechnet die Berben dieses Buch verfasst hat. Normalerweise sei die für ihr politisches Engagement bekannte Schauspielerin für derlei Oberflächlichkeiten doch gar nicht zu haben, meint er. Die Frage findet Iris Berben doof: "Dass ich mich gegen Antisemitismus wehre, hindert mich nicht daran, auch an Äußerlichkeiten zu denken." In den vergangenen zehn Jahren haben sich einfach die Fragen gehäuft, wie sie sich so jugendlich frisch erhalte, erzählt die 56-Jährige. "Die wollte ich in dem Buch gebündelt beantworten." Über sechs Monate hinweg hat sie dann alles aufgeschrieben, was ihr zu dem Thema einfiel: Schminktipps, Sportprogramm, Kochrezepte, Klamotten. Garniert mit verkaufsfördernden Anekdoten aus dem Privatleben: zum Beispiel mit der Enthüllung, dass sie früher entsetzlich eifersüchtig war und Teller durch die Gegend warf. Nicht mal mit ihren Problemzonen hält sie hinter dem Berg: die Augenbrauen und der Ansatz zum Doppelkinn. Iris Berben ist eben eine ehrliche Frau. Und so ist wenigstens dieses Büchlein über einen Star ganz nett zu lesen.

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