Berlin : Stadtmenschen: Ausgezeichnetes Lachen

tabu

Aufgeregt ist Rudolf van der Lak nicht. Sagt er jedenfalls und lacht sein knarzend-herzliches "Ich-umarme-die-Welt-Lachen". Herausgeputzt im Nadelstreifenanzug steht der dunkelhäutige Mann, dessen Haare und Bart so wunderbar weiß schimmern, in seiner Galerie Bremer in der Fasanenstraße 37. Umgeben von allerlei Künstlern mit großen Brillen und bunten Seidenschals wartet er auf den großen Augenblick: Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

Der 81-Jährige, geboren in der ehemalig-niederländischen Kolonie Guayana, dem heutigen Surinam, wird von Nachtschwärmern gerne als "Grandpa der Barkultur" bezeichnet. Über Amsterdam landete er als Musiker und Barkeeper in Berlin, wo er 1952 seine spätere Lebensgefährtin Anja Bremer traf. Sie hatte 1946 in ihrer Privat-Wohnung am Südwestkorso 48 auf eigene Faust eine Galerie für moderne Kunst eingerichtet. Drei Jahre später eröffnete sie die "Galerie Bremer" . Doch das Paar machte nicht irgendeinen Kunstschuppen auf: Gemeinsam mit dem Architekten Hans Scharoun richteten sie im Hinterzimmer eine plüschige Bar mit roten Samtsofas und abgeschabten Dreieckstresen ein. Die Galerie avancierte zum Szene-Treff. Ob Mario Adorf, Hardy Krüger oder Romy Schneider - sie machten es sich alle gemütlich mit einem Drink in der Hand bei Anja Bremer und ihrem Mann "Rudi". Als die Gründerin 1985 starb, machte Rudi alleine weiter. "Die Galerie wird nie sterben", sagt er und knarzt wieder beim Lachen. Kultursenatorin Adrienne Goehler lobt all dies in ihrer Rede inmitten der vielen Gäste und überreicht ihm "zum ersten Mal in meinem Leben" die ehrenvolle Urkunde, bevor sie ihm das Kreuz an sein Revers heftet ("Ich hoffe, ich piekse Sie nicht"). Rudolf van der Lak lacht laut, der ganze Raum knarzt.

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