Berlin : Stadtmenschen: Ausrufung des Metropolen-Fernsehens

oew/sib

Als der Sozialdemokrat Phillip Scheidemann 1918 vom Fenster des Reichstages aus die Republik ausrief, machte ihm diesen Auftritt Karl Liebknecht streitig, der die sozialistische Räterepublik wenig später am Schloss proklamierte. Stefan Aust bemühte am Montagabend den Vergleich mit Scheidemann, weil er von einem Baugerüst aus zu den Gästen der "Spiegel TV"-Party sprach. Sein Kooperationspartner für das neue Berliner Metropolenfernsehen XXP und "guter Freund", wie er sagte, Alexander Kluge, war nicht so wagemutig und sprach vom "Fenster zum Hof" aus zu den Gästen. Doch der politische Wettlauf an diesem Abend war längst entschieden. Denn diesmal waren die Sozialisten die Schnellsten, ergo: die ersten Gäste. Die PDS-Größen Lothar Bisky und Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch schüttelten schon die Hände der Intendanten Horst Schättle (SFB) und Hansjürgen Rosenbauer (ORB), da war von der politischen Konkurrenz noch weit und breit niemand zu sehen. Die SPD, eher unterbesetzt, wollte anscheindend nicht so recht auf den neuen Fernsehsender XXP anstoßen, den Aust mit "Spiegel TV" vor einer Woche aus der Taufe hob. Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye vertrat schließlich die Regierung. Für die CDU waren Volker Rühe und Laurenz Meyer da. Auch Vertreter der Berliner Landespolitik tummelten sich in den Zelten: Grünen-Fraktionschef Wolfgang Wieland trank zu später Stunde gut gelaunt einen Schoppen Wein, und CDU-Landesgeschäftsführer Matthias Wambach freute sich, alte Freunde aus seiner Bundeswehrzeit wiederzusehen.

Aust begrüßte in den Höfen des Deutschen-Architektur-Zentrums, wo XXP seine Studios bezogen hat, auch "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein und Friedrich Nowottny. Schauspieler waren natürlich auch da. Katharina Thalbach im grünen Sommerkleid mit Knitter-Look ("sündhaft teuer"), Mathieu Carrière und schließlich die Entertainerin Romy Haag. Es wurde ein schöner, entspannter Abend zum Sommerauftakt, also so ganz anders, als damals, anno 1918, als Scheidemann am Reichstagsfenster stand ...

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