Berlin : Stadtmenschen: Berlin im Vorbeigehen - Lagerfeld hat kaum Zeit

hema

Achtung, Leute, stinkt nicht! Parfüm ist eine Höflichkeitsfrage! "Leute, die sich nicht parfümieren, haben keine Zukunft" - der dies gestern gelassen äußerte, muss es nicht nur wissen, er profitiert auch von dieser Erkenntnis - Karl Lagerfeld. Im Privatjet flog der "Kaiser" - so nennt ihn die Modewelt - gestern in Berlin ein, eine halbe Stunde zu spät, aber wer nimmt das dem Modeschöpfer schon übel. Im dunkelblauen Blazer, aus dem weit schneeweiße Manschetten ragten, die Beine in leger abgewetzten Jeans graziös übereinander geschlagen, die auffällig kleinen Füße in spitzen, schwarzen Veloursschuhen - präsentierte er sich lässig-jugendlich den klickenden Kameras im Sony Center. Dort krönte das "kaiserliche" Erscheinen gestern Nachmittag einen Pressetermin, bei dem es nur um eines ging - Parfums Lagerfeld. Die jüngste Duftkreation unter diesem Namen ist speziell für Frauen und heißt "femme". Auslöser der duftenden Werbeaktion unter dem Motto "High noon with Karl Lagerfeld", war die FiFi-Gala im Deutschen Theater. Der "FiFi"-Award ist der "Oscar" des Parfums und das Objekt der Begierde der gesamten Branche. Und wie einen Ehren-Oscar gibt es natürlich auch einen Ehren-FiFi. Lagerfeld bekam ihn schon 1999. Da er aber nicht nur ein begnadeter Künstler, sondern auch ein knallharter Geschäftsmann ist, nutzte er den abendlichen Berlin-Termin vorher in besagter eigener Parfumsache. In seiner Suite im Ritz Carlton, das er vor Jahren als Schlosshotel Vier Jahreszeiten plüschig-opulent stylte, übernachtete er gestern aber nicht. Nach dem Auftritt im Deutschen Theater wollte er sofort wieder abdüsen. Vielleicht hatte er ja auch nur keine Lust, in Berlin noch tausendfach zu erklären, was alle bewundernd sehen konnten: Das Markenzeichen - als solches bezeichnet sich das bei Chanel, Fendi und unter seinem eigenen Namen modeschöpfende, fotografierende und zeichnende Multitalent selbst - hat abgespeckt. Wieder in Fasson präsentierte sich der Modeschöpfer comme il faut à la Lagerfeld - mit straffem Gesicht unterm weißgepuderten Haar, dunkler Brille über dem Schmollmund bis hinab zu den Schuhen, auf die er nun wieder mühelos sehen kann. Etwa 25 Kilo hat er abgenommen - "weil ich das Mollige leid war", erklärte er sein Abnehmen "als Spiel". Statt lockere japanische Gewänder wollte er mal wieder schlanke Sachen tragen. Möglich wurde das durch "Maßschneiderei", so bezeichnete Lagerfeld seine Diät mit allerlei homöopathischen Sachen, die ihm sein Pariser Docteur Houdret auf den fülligen Leib zugeschnitten hatte. 14 kleine Menüs am Tag gehören dazu - für einen "Kaiser" mit Koch kein Problem. Nur seine beneidenswert straffe Haut wurde gestern nicht zum Gegenstand bohrender Fragen. Während bei Frauen immer der Verdacht eine Rolle spielt, sie könnten beim Schönheitschirurgen neue Frische gesucht haben, scheint man den Männern haltbare Jugend ohne weiteres zuzutrauen.

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