Berlin : Stadtmenschen: Besser Hören

tabu

"Hä?" Diesen Laut hat Rudi Carrell bis vor drei Jahren am laufenden Band benutzt. Irgendwann waren seine Kollegen es leid. Nie verstand der holländische Entertainer etwas, immerzu fragte er nach. Man munkelte gar, er sei schwer von Begriff. Dabei ist alles so einfach. Der Mann, der sich in den 70er Jahren in seinen Sketchen Torten ins Gesicht schmeißen ließ und durch großkarierte Sakkos sowie dunkles Haar und langer Koteletten bestach, ist in die Jahre gekommen. Da fällt so manchem das Hören schwer. Deswegen trägt Rudi Carell ein Hörgerät. Punkt. Aus. Und weil Carrell dies ohne Scham tut, sich offen dazu bekennt und sich in der Show "7 Tage, 7 Köpfe" damit gerne selbst auf die Schippe nimmt, wurde er mit der Alexander-Graham-Bell-Medaille in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft ausgezeichnet. Die Fördergemeinschaft "Gutes Hören" und das "Forum Besser Hören" stifteten den Preis, den zuvor Ronald Reagan und Königin Silvia von Schweden erhalten haben. Ganz themenbezogen dekorierten die Hörakustiker den Schrank neben dem Rednerpult mit den bunten, klitzekleinen neuen Hörsystemen. Die Moderatorin des ZDF-Gesundheitsmagazins, Sabine Helmbold, präsentierte im Gegenzug dazu ein uraltes Hör-Rohr aus dem Jahre 1850 und referierte ein wenig über den Namensgeber der Medaille, der die Hörsystem-Entwicklung vorangetrieben hat. "So, dann warte ich jetzt darauf, dass Sie mir die Medaille überreichen", scherzte Carrell, der für einige Sekunden einsam und verlassen am Pult stand. Das Preisgeld von 20 000 Mark will Carrell spenden und bedauerte, dass Eberhard Diepgen nicht anwesend ist. "Der könnte das Geld vielleicht brauchen."

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