Berlin : Stadtmenschen: Blüm und die Bulette

hema

In Wedding hat er seit September 1999 seinen zweiten Wohnsitz. Selbstversorger ist Norbert Blüm in Berlin - seine Frau kommt selten hierher. Wo er in Wedding eine Pizza kriegt oder eine Currywurst, hat der Arbeitsminister a. D. und Bundestagsabgeordnete ganz schnell entdeckt. Die Blümsche Küche in dem grünbräunlichen Mietshaus bleibt aber nicht immer kalt - was der Strohwitwer dort ab und zu köchelt, kann man für 14 Euro 90 nachlesen: "Alles Buletti" heißt sein im Eulenspiegel Verlag erschienenes Kochbuch über das kulinarische Kronjuwel der Berliner Lebensart. "Meisterköche rümpfen zwar ihre feinen Nasen, aber ohne die zahlreichen Nebensächlichkeiten wäre unser Leben sehr viel ärmer", befindet der Autor über die Berliner Bulette alias rheinische Frikadelle alias bayrisches Fleischpflanzerl alias baden-württembergisches Fleischküchle oder wie auch immer das von Hand geformte und je nach Fantasie des Kochs mit dem oder jenem vermengte runde Ding in der Pfanne noch so heißt. "Gespräche bei einer Flasche Bier und mit einer Bulette in der Hand sind die ehrlichsten, die ich kenne", gibt der Hobby-Koch aus Not seine im Selbstversuch gewonnenen Erkenntnisse gern weiter. Gänzlich unpolitisch seien Buletten auch - links werden sie ebenso gegessen wie rechts und von Arbeitnehmern ebenso wie von Arbeitgebern, und sogar Vegetarier schätzen sie, wenn sie aus Gemüse gemacht sind. Aber auch politisch haben sie sogar ihr Gutes, entdeckte der CDU-Politiker: Eigenartigerweise findet die Bulette trotz ihrer handlichen und verlockenden Form kaum Anwendung als handgreifliches Argument - "im Gegensatz zu Eiern oder Tomaten."

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