Berlin : Stadtmenschen: Böses Vielfachtalent

ensa

"Ich bin kein Typ fürs Sentimentale", behauptet Michael Frowin. Beleg: Sein jazzig-swingendes zweistündiges Solo-Programm, das er "leben!" genannt hat und derzeit im A-Trane präsentiert. Vor allem aber ist er kein Typ für nur eine Schublade, denn der Gesang ist lediglich eines der Metiers, in dem sich der 31-Jährige heimisch fühlt. Denn bereits mit 17 brachte er sein erstes Kabarettprogramm auf die Bühnenbretter, lernte dann klassischen Gesang und Schauspiel und war mit 22 das bislang jüngste Ensemble-Mitglied am Düsseldorfer "Kom-(m)ödchen". Mit 24 gewann er in der Sparte Song den Berliner Bundeswettbewerb Gesang. Als 25-Jähriger begann er als Autor für das Dresdner Kabarett "Herkuleskeule" und beliefert seitdem auch die Berliner "Distel", das "Renitenztheater" in Stuttgart sowie den Kabarettisten Thomas Freitag mit Texten. Zwischendurch baute er das Abitur, gab den Conferencier im Musical "Cabaret", Matz Schlucker in Shakespeares "Sommernachtstraum" und wurde für seine Theaterarbeiten zum "Schauspieler des Jahres 1997" gekürt.

Nach Jahren in der rheinischen Comedy-Metropole Köln, die ihm "zu schick und glatt" geworden war, zog Michael Frowin jüngst zurück an die Spree: "Ich wollte unbedingt wieder in mein dreckiges, ruppiges Berlin!" Konsequenterweise ließ er auch gleich das Image des "netten Jungen von nebenan", das er ohnehin bestenfalls optisch bediente, am Rhein und blickt nun mit grimmig-nachdenklicher Kühle von der Hülle seiner neuen "leben!"-CD. Autobiographisch seien die Texte der Chansons zwar nicht, sagt er, gäben aber doch viel von ihm und seinen Erlebnissen preis. Sie handeln von der Liebe und vom Tod, beschäftigen sich mit Wünschen, Utopien und Banalitäten.

Auch abseits der Bühne lässt der Hoffnungsträger des deutschen Chansons nur wenig aus. Eben wurde in Mönchengladbach das Stück "Arche Nova - Die musikalisch-theatralische Sintflut" uraufgeführt, und andere Auftraggeber warten bereits auf seine Texte. Überdies muss er an der Internet-Präsenz basteln und am "leben!"-Nachfolger arbeiten: "Im Mai nächsten Jahres soll er fertig und noch um einiges böser sein." Das überrascht wahrlich weniger als die Information, dass er gerade dabei sei, das Manuskript für ein Kindertheaterstück zu entwickeln. Mehr noch verblüfft, dass Michael Frowin nicht nur "La Traviata", sondern auch die Atmosphäre bei den Hertha-Kickern mag. Gänzlich perplex macht jedoch seine zögernde Antwort auf die Frage, auf welches Talent er, der zugleich als Schauspieler, Autor, Sänger und Kabarettist erfolgreich ist, am ehesten verzichten könnte: "Ich glaube, aufs Schreiben!"

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