STADTMENSCHEN  : Brioni im Bunker

Brioni-Chefin Antonella di Simone war aus dem Häuschen. Zum ersten Mal öffnete Kunstsammler Christian Boros seinen Bunker an der Reinhardtstraße für Werbeaufnahmen. Die italienischen Anzugkönige von Brioni lassen hier ihre neue Kampagne von Ellen von Unwerth fotografieren. Genau richtig seien Berlin und der umgebaute Betonklotz, gefüllt mit zeitgenössischer Kunst, für das neue Image von Brioni, so modern und unfertig, sagt die Enkelin des Brioni-Gründers Nazareno Fonticoli.

In Deutschland kennt man die auf Taille geschnittenen Anzüge nicht etwa, weil James Bond seit Jahrzehnten darin die Welt rettet, Clark Gable und Gary Grant nichts anderes trugen, sondern weil Ex-Kanzler Gerhard Schröder sich mal einen schneidern ließ. Antonella de Simone räumt auch gleich mit einem Missverständnis auf: Eigentlich sollte man Schröder nicht Brionikanzler, sondern Brioniminsterpräsident nennen. Als er sich bei der Anprobe fotografieren ließ, war er noch oberster Chef der Niedersachsen. „Ich glaube, er besitzt nur den einen“, sagt Antonella de Simone. Andrea Perrone, der Enkel des anderen Brioni-Gründers, kam gestern direkt aus den USA zum Mittagessen in die italienische Botschaft. In Amerika seien alle mit der Krise beschäftigt. Deshalb freue er sich, jetzt in Deutschland zu sein, wo die Menschen entspannter mit der aktuellen Wirtschaftslage umgingen.

Neben eleganten Anzugträgern wie Ex-Tagesschausprecher Wilhelm Wieben war auch der russische Botschafter eingeladen. Die Russen haben Deutschland gerade vom dritten Platz der wichtigsten Brioniländer verdrängt. Aber Perrone machte Hoffnung: Die deutschen Männer hätten stilmäßig dazu gelernt. Da sei noch einiges rauszuholen.gth

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben