Berlin : Stadtmenschen: Das Prinzenpaar ist schon gerüstet

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Ständige Vertretung, Freitagvormittag. Im Jahr zwei der Berliner Republik wähnen sich die Jäcken und Narren der Hauptstadt im Aufwind. Das "Festkomitee Berliner Karneval" traut sich sogar zu, am Tag vor dem Rosenmontag mit einem Festumzug durch Berlin Mitte ganze 100 000 Menschen dazu zu bringen, auf das gebrüllte "Berlin!" die richtige Replik parat zu haben. Die lautet nämlich "Hajo!". 20 Karnevalsvereine aus Berlin und Brandenburg vertrauen darauf, dass die Feierfreude der Rheinländer, die mit der Regierung hierher gezogen sind, ansteckend auf die Berliner wirkt. So klang es auch ein wenig schüchtern, als Edmund Braun, Präsident des Festkomitees und gebürtiger Aachener, am Freitag ankündigte: "Auch wir hier in Berlin können feiern. Am 25. Februar soll, äh, wird es einen Umzug geben." Dabei planen die Karnevalsanhänger, nach rheinischem Vorbild am 11. November die Regentschaft in Berlins Mitte zu übernehmen: Beim Sturm auf das Rote Rathaus sollen um 11 Uhr 11 Prinz Thomas I. und Prinzessin Birgitta I. inthronisiert werden. Die Prinzessin - im bürgerlichen Leben nennt sie sich Birgitta Anders - zog 1968 nach Köpenick. Die Reisekauffrau sieht sich stolz als eine "echte Berliner Prinzessin", wenn sie auch zugibt "ein absoluter Neuling" im Karnevalsgeschäft zu sein. Ihren Prinzen auf Zeit, Thomas Richter (38), hat Birgitta erst vor wenigen Tagen kennen gelernt. Im Gegensatz zu ihr hat der gebürtige Münsteraner bereits im zarten Alter von acht Jahren beschlossen, einmal Karnevalsprinz zu werden. Die Drillinge Stephanie, Matthias und Reinhard Böttcher, die im Trio das "Kinderprinzenpaar" formieren, sind heute acht Jahre alt. Wenn es nach den Vorstellungen des Festkomitees geht, wird sich die jetzt erfundene Tradition eines Berliner Karnevalumzugs bereits etabliert haben, wenn sich die drei später an ihre Zeit als Kinderprinzen erinnern.

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