Berlin : Stadtmenschen: Der Galerist im Schafspelz

tabu

Dienstagabend. Unter den Linden. Im gläsernen VW-Automobilforum wartet ein Drei-Liter-Lupo darauf, ersteigert zu werden. Natürlich nicht irgendein Lupo, sondern ein von der Künstlerin Elvira Bach gestalteter, kunterbunt mit Frauenkörpern bemalter Kleinwagen. Der Autokonzern kooperiert seit einiger Zeit mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und möchte mit dem Erlös des umweltfreundlichen, rollenden Kunstwerks etwas Gutes tun: Das Biotop das "Grüne Band" in Sachsen - ein ehemaliger Grenzstreifen - soll erhalten werden. "Eigentlich denkt man bei einem Autokonzern und einem Naturschutzbund eher an Konfrontation", sagt Peter Hartz, Mitglied des Vorstandes der Volkswagen AG, "aber diese Partnerschaft soll uns in vielen konkreten Projekten voranbringen, so dass wir uns in der Zukunft für unsere Kinder und Enkel nicht schämen müssen." Dem kann der Präsident des NABU, Jochen Flasbarth, nur zustimmen. Und weil alles so schön umweltfreundlich und "öko" ist, eröffnet er vor der Versteigerung zunächst das "Öko-Buffet": Öko-Wein und Öko-Fleisch auf Öko-Brot. Danach läuft der Countdown zur Versteigerung. Während über die Internet-Auktionsseiten von e-Bay schon fleißig mitgesteigert wird (ursprünglich liegt der Lupo-Preis bei 27 000 Mark) bieten die Anwesenden zunächst nur zögerlich. Um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, zählen die Gastgeber die Minuten, bis dann um punkt 22 Uhr der mitbietende Marcus Peschler für 32 000 Mark zuschlägt. Peschler entpuppt sich als Galerist der nicht anwesenden Elvira Bach, beteuert aber: "Wir haben nichts abgesprochen. Die Idee kam mir ganz spontan."

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