Berlin : Stadtmenschen: Die First-Lady-Frage

hema

Sie muss es geahnt haben. "Erst, wenn es Schwarz auf Weiß steht", dass ihr Mann nicht nur wieder Schulsenator, sondern auch Stellvertreter des Regierenden wird, wollte sie ihre weitere Rolle als First Lady bestätigen. Das war am 9. Januar im Senatsgästehaus, wo Angelika Böger als Gastgeberin die Damen des WIZO-Basars empfing und von allen dafür nicht nur gelobt, sondern auch gefragt wurde, ob "sie es denn weitermache". Das nämlich, was jahrzehntelang Monika Diepgen als Frau des damals Regierenden oblag - zum Beispiel bei offiziellen Anlässen freundlich lächelnd an der Seite ihres Mannes mit Staatsgästen durchs Brandenburger Tor zu schreiten oder mit den jeweiligen "besseren Hälften" der hohen Gäste ein "Damenprogramm" zu absolvieren. Der seit vergangenem Sommer regierende Klaus Wowereit hat bekanntlich keine Frau, die diesen unbezahlten Job übernehmen könnte, sondern einen Mann an seiner Seite. Und da er mit Jörn Kubicki nicht gesetzlich gebunden, sondern nur privat verbandelt ist, käme dieser, auch wenn er wollte, als First Man nicht in Frage. Aus gleichem Grund auch nicht Wowereits ständige Party-Begleiterin Sabine Christiansen als First Lady. Beim Berlin-Besuch des russischen Präsidentenpaares im vergangenen September fragte Wowereit deshalb erstmals die Frau seines damaligen Vizes, ob sie aushelfen könne. Angelika Böger konnte, und es machte ihr nach eigenen Worten sogar Spaß. Sie "hat das Format", urteilte im Herbst Helmut Lölhöffel über die hochgewachsene Frau mit dem silbrigen Kurzhaarschopf. Das der nicht gefärbt, sondern echt ist, verriet sie jüngst beim Kaffeekränzchen im Senatsgästehaus ein paar neugierigen WIZO-Damen und auch, wie sie zehn Kilo leichter wurde. Nicht durch Stress an Wowereits Seite, sondern aus eigenem Willen, mit viel Disziplin und mit Hilfe einer Adresse in Lichterfelde. Ob der Regierende sich weiterhin mit der jetzt sehr schlanken Erscheinung schmückt, die als First Lady jedem gut zu Gesicht stünde, muss offen bleiben. Statt Böger sind Karin Schubert und Gregor Gysi seine Vizes. Dass Gysis Frau, die ehemalige Bundestagsabgeordnete Andrea Lederer, sich als First Lady ausleihen lässt, hielt Senatssprecher Lölhöffel gestern eher für unwahrscheinlich. Wer Wowereit bei offiziellen Anlässen begleite, werde wie bisher "von Fall zu Fall" von diesem selbst entschieden. "Beim nächsten Staatsbesuch können Sie Donnermeyer danach fragen", delegierte Lölhöffel das Berliner First-Lady-Problem an seinen Nachfolger.

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