Berlin : Stadtmenschen: Die Sterne feiern, wie sie fallen

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Nach dem Michelin-Stern, so will es der Brauch, kommt die Michelin-Stern-Party mit Champagner und Häppchen für Freunde, Kollegen und Journalisten. Und weil die Kollegialität unter den besten Köchen in Berlin überdurchschnittlich hoch ist, kommen sie praktisch alle, wenn es einer von ihnen geschafft hat. Dienstagabend - das war der Abend von Karlheinz Hauser, der sich zwei Jahre höllisch ins Zeug legen musste, um das "Lorenz Adlon" zur begehrten Auszeichnung zu wuchten, denn bei städtischen Luxushotels kennt die Strenge der Prüfer keine Grenzen. Draußen auf dem Land wäre dieser Stern also gut und gern zwei wert, und diese Erkenntnis schien sich auch zu einem Prominenten durchgesprochen zu haben, dessen Berufsstand bislang in Berlin allenfalls mit Bier und Bockwurst assoziiert wurde: Klaus Wowereit gratulierte persönlich und blieb bis tief in die Nacht - kein Problem für den bekennenden Hedonisten, der für den Umgang mit Küchenchefs keinen Dolmetscher braucht. Der Auftritt des Regierenden wurde so auch als Signal gestiegener Aufmerksamkeit für einen wichtigen, wie man so sagt, Standortfaktor gewertet. Wolfgang Müller, der andere frisch besternte Berliner Koch ("Adermann"), feierte in Ermangelung einer eigenen Party gleich mit. Und ein anderer, der eigentlich griesgrämig hätte sein müssen, nämlich Karl Wannemacher vom nach über 15 Jahren plötzlich nicht mehr ausgezeichneten Alt-Luxemburg, zeigte durchaus keine Entzugssymptome, sondern berichtete fröhlich von ersten Tischreservierungen mit der Anmerkung, das könne man dem Michelin nun aber keinesfalls durchgehen lassen. So fügte sich alles bestens in die allgemeine Heiterkeit; richtig lustig wurde es, als später noch Winzer und Weinfreaks von ihrer Veranstaltung im "Lindenlife" gegenüber die Straße wechselten ...

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