STADTMENSCHEN, diesmal aus der American AcademyE : Botschaft ade, scheiden tut weh

US-Botschafter John Emerson wurde in Berlin zum Tranatlantiker. Nach der Ankunft meisterte er die Abhör-Affäre und fand viele Freunde

Elisabeth Binder
Özcan Mutlu fuhr Rad mit dem Botschafter Foto: dpa dpa
Özcan Mutlu fuhr Rad mit dem Botschafter Foto: dpadpa

Was für ein Kontrast. Vor dreieinhalb Jahren konnte man das Ehepaar Emerson auf einem Empfang auch schon mal ganz allein antreffen. Kurz nach der Ankunft und völlig neu im diplomatischen Geschäft musste US-Botschafter John B. Emerson mit der Abhör-Affäre einen der heftigsten Stürme der transatlantischen Beziehungen meistern. Am Dienstagabend war er zusammen mit Ehefrau Kimberly Emerson und den Töchtern Jackie, Taylor und Hayley bei einem Empfang zu seinen Ehren in der American Academy, jetzt umgeben von Freunden. Was für eine Leistung. Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, erinnerte daran, dass jeder dachte, der Botschafterposten in Berlin solle eine Belohnung sein. So hat es sich anfangs ganz bestimmt nicht angefühlt. Umso mehr Anlass für Ischinger, die Tatsache hervorzuheben, dass der Botschafter in all den Stürmen nie den Sinn für Humor verloren habe und dieser Herausforderung mit großer Offenheit und klarer Sprache begegnet sei. Dass er dabei kräftige Unterstützung hatte, ließ er nicht unerwähnt: „Sie waren eine außerordentliche Botschafterin“, sagte er zu seiner Frau gewandt, die einst als Expertin für Öffentlichkeitsarbeit für die Clinton-Regierung gearbeitet hat. Auch die Töchter beteiligten sich an dem „Get five for the price of one“-Prinzip, glänzten erst kürzlich im ARD-Morgenmagazin mit ihrem Song „Berlin“, der auch bei YouTube zu sehen ist. Die Töchter sind ein gutes Beispiel für die Politisierung der amerikanischen Jugend, die durch die Wahl Donald Trumps offenbar einen Schub bekommen hat.

Meisterte den Sturm: Der scheidende US-Botschafter J. B. Emerson Foto: dpa
Meisterte den Sturm: Der scheidende US-Botschafter J. B. EmersonFoto: dpa

Am 20. Januar, am Tag der Amtseinführung des neuen Präsidenten, fliegt Obamas Botschafterfamilie heim nach Los Angeles. Dann übernimmt die Geschäfte erst mal der bisherige Stellvertreter Kent Logsdon, der mit seiner Frau Michelle unter den Gästen war, wie auch der grüne Abgeordnete Özcan Mutlu und der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg. Abwesende Freunde auf der anderen Seite des Atlantiks wurden in der politischen Vermächtnis-Rede hervorgehoben, etwa der zwischenzeitliche Academy-Chef und langjährige Stanford-Präsident Gerhard Casper und die Kuratoriumsmitglieder Gahl Burt und Nina von Maltzahn. Als Botschafter aller Amerikaner riet Emerson zu Geduld. Die Stärkung der transatlantischen Beziehungen wird den Botschafter nicht loslassen, und an diesem Abend ahnte man, dass dies nicht sein letzter Auftritt in der American Academy gewesen sein dürfte. Gute Zeiten in Berlin werden er und die Familie zelebrieren, wenn sie als Privatpersonen in ihrer neuen Charlottenburger Wohnung all die Freundschaften genießen können, die sie unter anfangs so widrigen Vorzeichen knüpfen konnten.

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