STADTMENSCHEN : Diplomat radelt in den Ruhestand

Der Weggang des niederländischen Botschafters Marnix Krop aus Berlin stelle das Protokoll des Auswärtigen Amtes vor eine große Herausforderung, bekannte die Staatsekretärin des Auswärtigen Amtes Emily Haber bei einem kleinen Abschiedsessen zu Ehren des Diplomaten. Üblicherweise werde ein Botschafter mit einer gewissen Zeremonie am Flughafen verabschiedet, doch man habe erfahren, dass er doch tatsächlich plane, Deutschland gemeinsam mit seiner Frau auf dem Fahrrad zu verlassen. „Ich kann Ihnen versichern, dass das Protokoll des Auswärtigen Amtes auch diese Herausforderung meistern wird“, sagte Emily Haber. Es sei nur noch nicht zu erfahren gewesen, wann genau diese Abreise erfolge. Sie würdigte die deutsch-niederländischen Beziehungen, die ihrer Ansicht nach besser seien als der öfter bemühte Spruch von Harry Mulisch, dass beide Länder nah beieinander, aber Rücken an Rücken agieren würden. Da habe Mulisch inzwischen unrecht, sagte sie. Sie zeigte sich beeindruckt von dem Berlin-Gedicht von Hendrik Marsman von 1922, das zweisprachig die Giebelwand der Botschaft ziert. Wer der Stadt – zum 775. Geburtstag 2012 – solch ein noch immer zutreffendes Geschenk machte, müsse das Land auch sehr gut kennen.

Marnix Krop blickte zufrieden auf die vergangenen vier Jahre zurück, er habe drei Bundespräsidenten erlebt, während der deutsche Außenminister in der Zeit drei niederländische Kollegen erleben durfte. Er gehe jetzt zwar in den Ruhestand, sagte der Botschafter, aber er werde nicht ruhen, sondern ein Buch über Deutschland schreiben. Und das Abreisedatum hänge vom Wetter ab, sagte der leidenschaftliche Radfahrer und bekennende Fußballfan. R.B.

0 Kommentare

Neuester Kommentar