STADTMENSCHEN : Diplomatie für 1001 Nacht

Shakehands. Folkmar Stoecker (l.) begrüßt arabische Diplomaten.Foto: Paul Zinken
Shakehands. Folkmar Stoecker (l.) begrüßt arabische Diplomaten.Foto: Paul Zinken

Sie sind aus dem Tschad angereist, aus Südkorea, aus den USA und vielen anderen Ländern. Am Mittwochabend trafen sich im Internationalen Club des Auswärtigen Amts rund 40 junge arabische Diplomaten zum Auftakt eines viertägigen Berlin-Aufenthalts. Sie vertreten ihre Heimatländer – darunter Bahrain, Kuwait, Jordanien, Iran – in aller Welt, und sie sind alle Absolventen der Internationalen Diplomatenausbildung des Auswärtigen Amts. Die Idee, ein solches Programm für angehende arabische Diplomaten zu schaffen, entstand vor zehn Jahren nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Dahinter stand der Wunsch, die Beziehungen zu den islamischen Ländern zu verbessern. Die jungen Diplomaten lernen bei mehrwöchigen Berlin-Aufenthalten Verhandlungstechnik, diplomatische Berichterstattung und natürlich Deutsch, werden außerdem zu Studienreisen nach Brüssel und in zwei Bundesländer eingeladen.

In den letzten zehn Jahren haben schon 214 arabische Nachwuchsdiplomaten das Programm absolviert. Programmdirektor Folkmar Stoecker hat registriert, dass sich nach dem Arabischen Frühling die jungen Diplomaten nicht mehr wie früher strikt nach offiziellen Vorgaben präsentieren, sondern diskussionsfreudiger, kritischer und selbstkritischer geworden sind. Auch Podiumsdiskussionen zum Beispiel über neue Perspektiven europäisch-arabischer Partnerschaft stehen auf dem Programm des Alumni-Treffens. Matthias Fischer, der Leiter der internationalen Diplomatenausbildung, kündigte auch Gespräche mit Experten aus großen Think Tanks an. Der Cecilienhof ist ein Ziel, bei dem es um die Potsdamer Konferenz nach dem II. Weltkrieg gehen soll. Natürlich solle aber auch Zeit zum Shopping und Sightseeing bleiben. „Wir haben alle den gleichen Lebensstil“, sagte er. „Diplomaten müssen alle drei bis fünf Jahre umziehen. Das schafft Esprit de Corps.“ Und es sei so hilfreich, wenn man an einem neuen Einsatzort ankommt und schon jemanden kennt. Mit Statements sind sie noch vorsichtig. Bevor ein junger Attaché offiziell etwas sagen darf, muss der Botschafter einwilligen. Aber der Tenor ist eindeutig. Das Programm ist vor allem auch nützlich, um Netzwerke aufzubauen. Und für manchen geht dadurch ein Herzenswunsch in Erfüllung. Der junge Konsulatsmitarbeiter Ahmed Abdu S. Al-Sharabi aus dem Jemen hatte keine weite Anreise. Nach der Teilnahme an dem Programm des Auswärtigen Amtes wurde er an seinen Wunschort entsendet: Berlin. Bi

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