STADTMENSCHEN : Ein Haus wird 100

Monika Nöhre
Monika Nöhre

Die Gästeliste war beeindruckend, die juristische Elite nicht nur der Stadt versammelt. Das Kammergericht beging am Mittwoch auf den Tag genau 100 Jahre nach seiner Eröffnung dieses Jubiläum mit einem Festakt. Hausherrin Monika Nöhre verband geschickt die Begrüßung der Anwesenden mit Begebenheiten aus der Geschichte des Hauses, das in der Nazizeit Sitz des Volksgerichtshofs war. Sie begrüßte die Autorin Wibke Bruhns, deren Vater Hans Georg Klamroth hier als Mitwisser des Attentats vom 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt worden war. Auch bei der Begrüßung des früheren Landgerichtspräsidenten Peter von Drenkmann wurde an seinen Vater erinnert – Günter von Drenkmann war Kammergerichtspräsident, als er 1974 von Linksterroristen erschossen wurde. Außerdem hob Nöhre hervor, dass vor 100 Jahren keine einzige Frau anwesend war. Mit Blick ins Publikum stellte sie fest: „Die Welt hat sich geändert.“ Dann begrüßte sie die Vorsitzende des Deutschen Juristinnenbundes, Jutta Glock. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) outete sich in seinem Grußwort als verhinderter Architekt. Er sprach über die Gestaltung der Innenräume des Gerichts im Stil der neuen Sachlichkeit, die dem Architekten Bruno Paul zu verdanken sei. Sein Dienstsitz, das Nordsternhaus, sei ebenfalls von diesem gestaltet worden. Heilmann wünschte dem Gebäude für die Zukunft „eine weniger aufregende Geschichte“. Festreden gab es vom BGH-Präsidenten Klaus Tolksdorf und dem früheren US-Botschafter John Kornblum. Beide befassten sich mit der Geschichte des Hauses. Kornblum erinnerte sich in einer von persönlichen Erinnerungen geprägten Rede an seine Anfangszeit als junger Diplomat. Damals arbeitete er im Gerichtsgebäude; es ging um das Viermächteabkommen. fk

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