Berlin : Stadtmenschen: Einzug der Wagners in die Rheingoldstraße

hema

Die Einladung nach Karlshorst war für viele der erste Ausflug dorthin. Etwa 100 Gäste hatten Adolf und Heide von Wagner zum Einstand in die Rheingoldstraße 39 gebeten. Nicht in irgendeinen österreichischem Krähwinkel - wo das Rittergeschlecht derer von Wagner her kommt - wollte das Ehepaar nach Jahrzehnten in aller Welt zur Ruhe kommen, sondern "am Nabel der Welt". Das ist Karlshorst zwar noch nicht, aber in Berlin überall "voll dabei sein" kann der 66-jährige Ex-Botschafter von dort aus bequem. Dass die neue Adresse in der Rheingoldstraße gut zum Namen Wagner passt, war lustiger Zufall. Das runtergewirtschaftete Haus - bis zum 31. August 1994 die Gäste-Villa des letzten Oberkommandierenden der Westgruppen, Matwej Burlakow - kauften sie vor sechs Jahren und restaurierten es mit viel Liebe und nicht wenig Geld. Mit vielen Ahs und Ohs quittierten die Gäste die Mühe, im "Dahlem des Ostens" zum Aufschwung beizutragen. Susanne Thaler, die rechte Hand von Freundin Lea Rosh im Berliner Salon in Mitte, sah sogar alles rosarot - durch ihre Brille. Auch der neue Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde erholte sich im Garten der Wagners - die Gastgeber kannte Alexander Brenner aus seiner diplomatischen Zeit in Moskau. Von dort kam Adolf von Wagner aber nicht, sondern 2000 aus Buenos Aires. Mit dem deutschen Kulturattaché in Budapest wenigstens einen von drei Söhnen nach Karlshorst zu locken, gehört jetzt zu den aktuellen Projekten des Ex-Diplomaten. Auch die am Kirchlein gegenüber nur noch die volle Stunde ansagende Uhr würde er gern wieder viertelstündlch schlagen lassen - wenn er die 10 000 Mark in der Portokasse hätte.

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