STADTMENSCHEN : Flucht nach Bayreuth

Der TV-Zweiteiler „Go West“ feierte Kinopremiere

Nun scheint sich ja tatsächlich was zu bewegen im Haus Cumberland am Kurfürstendamm. Seit mehr als 15 Jahren steht es weitgehend leer, immer neue Pläne tauchten auf und gingen unter, jetzt sollen in dem 1912 entstandenen Gebäude jede Menge Wohnungen, einige Büros, Läden und ein Lokal entstehen. Die Location-Scouts von Film und Fernsehen werden die neue Entwicklung kaum begrüßen, wegen des gediegenen Ambientes war das Haus als Drehort für bestimmte Geschichten unschlagbar und hochbeliebt. Derzeit dient es Regisseur Leander Haußmann als Kulisse für „Hotel Lux“, seinen Film über das berüchtigte Moskauer Exilantenhotel. Auch Szenen der „Bourne-Verschwörung“ mit Matt Damon entstanden hier, und gestern Abend hatte im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz ein TV-Zweiteiler Kinopremiere, in dem das Cumberland ebenfalls auftaucht: als Hotel im sozialistischen Budapest. „Go West – Freiheit um jeden Preis“ heißt der Thriller, der am 6./7. Januar auf Pro 7 läuft und – der Titel legt es nahe – eine Fluchtgeschichte erzählt. Zwei junge Männer wollen über sozialistische Bruderländer aus der DDR fliehen, ein befreundeter Jungschauspieler bringt sie zur Grenze, doch die Sache fliegt auf und er muss mit, nach Prag, Budapest, Belgrad und zuletzt Bayreuth, auf dieser Irrfahrt verfolgt von seinem Vater, einem Stasi-Major. Das Drehbuch wurde inspiriert von der Geschichte eines Mannes, der 1984 auf ähnlichem Weg in den Westen geflohen war und dies Daniel Mann von der Gilles-Mann-Filmproduktion erzählt hatte, die den Film gemeinsam mit Nico Hofmanns Berliner Firma Teamworx produzierte. Bei der Premiere erschienen unter anderem die Hauptdarsteller Franz Dinda, Frederick Lau und Sergej Moya sowie Regisseur Andreas Linke. Gedreht hatte man im Sommer 2009, von 54 Drehtagen fanden 18 in Berlin statt. Manche Orte werden dem Berliner Zuschauer daher bekannt vorkommen: Die Zufahrtsrampe im Untergeschoss des ICC stellte einen Nebentrakt des Prager Hauptbahnhofs dar, das ehemalige Funkhaus in der Nalepastraße die Prager Geheimdienstzentrale, dort lag auch das Potsdamer Büro eines Stasi-Mannes. Das Renaissancetheater wurde zur Bühne in Bayreuth, eine Villa am Kleinen Wannsee zur bundesdeutschen Botschaft in Belgrad. Und auch die Deutschlandhalle hatte ihren vielleicht letzten Auftritt: als Flughafen in Prag. ac

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