Berlin : Stadtmenschen: Für den Ruhestand nicht geeignet

hema

Sogar der Himmel weint zum Abschied, sagte einer in dem endlosen Defilee für Frantisek "Cern¿y. Als der scheidende tschechische Botschafter am Dienstag in seinem realsozialistisch gebauten Amtssitz in der Wilhelmstraße die letzten Hände schüttelte, war das Büfett schon mehrmals aufgefüllt. Und Manfred Stolpe längst wieder daheim in Potsdam. Vielleicht mit dem Zug, denn der soll für den brandenburgischen Ministerpräsidenten ja auch schon mal außerplanmäßig in Spandau halten, von wo aus Stolpe es näher nach Hause hat. Für dieses Privileg muss man "mehr als eine Million Kilometer mit der Bahn gefahren sein", sagte launig der im Tiroler Skiurlaub blendend erholte und braungebrannte SPD-Politiker. Für seinen tschechischen Freund - eine "Institution in Berlin" nannte ihn Stolpe - will er in Potsdam noch einen Empfang geben. Bei "Cern¿ys Abschied in Berlin hatte sich der Brandenburger artig in die Schlange der über 300 Gäste eingereiht, die sich von dem beliebten Tschechen verabschieden wollten, unter anderen Rita Süssmuth, Otto Schily, der französische Botschafter Claude Martin. Richard von Weizsäcker durfte sich als Altbundeskanzler "vordrängeln" und musste dafür dann selbst viele Hände schütteln. Nicht wenige hatten wie Staatssekretär Walther Stützle ein Buchpräsent mit. "Thüringen in Deutschlands Mitte" brachte der Bevollmächtigte des Freistaats beim Bund, Hans Kaiser, für "Cern¿ys künftige Prager Mußestunden mit. Dass es damit über kurz oder lang nicht sehr weit her sein wird, gestand der am Dienstag mit dem Großen Bundesverdienstkreuz geehrte Diplomat coram publico. Die allseits gestellte Frage, was er jetzt tun werde, könne er einfach nicht beantworten, "ich bin ungeeignet als Ruheständler". Da wird es sich in Prag bald auszahlen, dass Ehefrau Helena "Cerna in Berlin in vielen Sprachen nur einen Satz gelernt hat: "Mein Mann ist nicht zu Hause". Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar