Berlin : Stadtmenschen: Gipfeltreffen der Winzerlegenden

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Konkurrenz? Du liebe Güte. Angelo Gaja und Nicolò Marchese Incisa della Rocchetta sind Italiener und machen einige der besten Weine der Welt. Aber der eine kommt aus Piemont und der andere aus der Toskana, und da ist doch genug Platz für beide, nicht wahr? Ihre Weine, Gajas berühmte Barbaresco und Barolo, dazu der nicht minder berühmte Sassicaia des Marchese, verkaufen sich trotz atemraubender Preise wie von selbst, und so ging es beiden bei ihrer Visite in Berlin auch nicht um profane Werbung, sondern eher um sachte Kontaktpflege in Sachen Hauptstadt. Dennoch könnten sich zwei Star-Winzer kaum gegensätzlicher darstellen: Gaja, der eloquente Weltmann, der in den 70ern mit unberirrbarem Qualitätsfanatismus den Ruhm des italienischen Weins begründete und zahllose Nachahmer fand, und der bedächtige, nicht weniger einflussreiche Toskana-Adlige, der es kurz macht: "Anders als Angelo mache ich nur einen Wein und muss deshalb nicht so viel erzählen." Naheliegend, dass sich beide auf ihrer Tour zwei der besten Berliner Restaurants zur Kulisse gewählt haben: Kolja Kleeberg im Vau (von Wolfram Siebeck gerade auf den Namen "Ilja Kolberg" umgetauft) am Mittag und Michael Hoffmann abends im Margaux passten sich, jeder auf seine Weise, den Finessen der edlen italienischen Getränke perfekt an. Kleebergs Lammschulter zum 97er Barbaresco, Hoffmanns in Salz gegarte Taubenbrust mit roten Beten zum 96er Sassicaia waren schöne Beispiele dafür, wie man durch genaue Küche Essen und Wein gleichermaßen erheben kann.

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