Berlin : Stadtmenschen: "Goldene Henne" für New York

hema

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl verließ als Erster das fast echte Gipfeltreffen mit Michail S. Gorbatschow und Hans-Dietrich Genscher anlässlich der Gala zur Verleihung der "Goldenen Henne". Diesen Publikums-Medienpreis überreichte er seinem ehemaligen sowjetischen Kollegen für dessen Verdienste um die deutsche Einheit. Kohl zeigte sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem Tod seiner Frau heiter und gelassen. Mit Duzfreund Michail steht er augenblicklich in Berlin vor der Kamera - "Tage der Wende" sollen verfilmt werden. Da muss man früh raus - das war auch der Grund, dass beide schon gegen Mitternacht den Empfang verließen, der statt einer rauschenden Party nach der Gala stattfand. Gorbatschow übt sich nicht erstmals als Schauspieler - in seiner Jugend spielte er im Studententheater mit. Einmal gab er für eine längere Zeit einen russischen Offizier in einem Schauspiel, in dem auch Aram Chatschaturians festlicher Walzer "Maskerade" gespielt wurde - sein Lieblingsstück. Dass er es zur Gala vom Ballett des Friedrichstadtpalastes getanzt erleben konnte, freute ihn besonders. Die Anhängerschar der Namensgeberin der "Goldenen Henne" - der 1991 verstorbenen Entertainerin Helga Hahnemann - freuten sich, dass "Gorbi" - anders als Kohl 1991 - auf der Bühne wusste, wer die "Henne" war. "Ich habe erfahren, dass das eine Frau war, die mit ihrer Kunst die Nation schon vor dem Mauerfall vereinte - wir danken dieser Frau", sagte er. Das hatte so noch niemand zur "Goldenen Henne" ausgeprochen. Noch nie gab es auch so viel Standing Ovations. Allerdings nicht nur für Gorbi. Immer wieder zollten die über 2000 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur dem New Yorker Feuerwehrmann Brian Bittrolff, der stellvertretend für alle mutigen Helfer eine "Goldene Henne" von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse entgegennahm, ihre Anteilnahme und Respekt. Der bereits pensionierte Retter hatte sich am Tag der Attacken sofort in den Dienst zurückgemeldet und war seitdem am zerstörten World Trade Center im Einsatz. Bis Sonnabend will sich der deutschstämmige New Yorker in Berlin aufhalten - "viel Hoffnung" nehme er mit der Auszeichnung aus Deutschland mit nach Hause, sagte der sympathische Mann, den sein hiesiger Botschafter Daniel Coats auf der Bühne spontan umarmte. Auch Peter Maffay will seine Charity-"Henne" weiterreichen - an die Kinder seiner Stiftung. Für die gab es auch einen ostdeutschen Sparkassenscheck - 50 000 Mark.

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