Berlin : Stadtmenschen: Jetzt kriegt Mister Germany sein Fett weg

Deike Diening

Ein schlürfendes Geräusch im OP. Patrick Urbans Kinn, das zweite, flutscht durch einen Saugschlauch. Die Nase ist schon tamponiert. Das blaue Tuch über dem Patienten hebt und senkt sich, als sei der nur lokal Betäubte aufgeregt. Denn wenn man keine Vollnarkose hat, dann hört man auch das Pulen und Sägen. "Die Geräusche", davor hatte der ehemalige Mr. Intercontinental am meisten Angst.

Die Operation in einer Schönheitspraxis an der Tauentzienstraße ist quasi öffentlich. Ein paar Freunde sollten kommen, Händchen halten. Die konnten nicht. Jetzt ist Pro7 da und hält die Kamera drauf. "Was tust du denn da?", hatten ihn seine Freunde gefragt. Er habe doch schließlich alles erreicht. Mister Germany 1999. Mister Intercontinental 1999. Und jetzt, da er alle Ämter wieder los ist, lässt er sich Nase und Kinn nachbessern. Es sei ja "nicht nur Schönheit", sagt Patrick. Seit einem Nasenbruch vor sechs Jahren spricht er - "Sie hören es vielleicht" - nur noch durch die Nase. Und schließlich will der 27-jährige Tourismuswirtschaftsstudent demnächst moderieren. Das Kinn gleich mitzumachen, hat man ihm nahegelegt. "Ich selber hatte das noch gar nicht so gesehen." Mutter Bruni kann sich freuen. Für das Kinn ihres Sohnes hat sie sich nämlich schon ganz früh geschämt. "Immer, wenn ich mit ihm im Kinderwagen spazieren fuhr, habe ich ihn auf den Bauch gedreht", spricht aus ihr die Mutterliebe. Heute ist Bruni Urban auch da. Und da sie schon einmal angereist kam, hat sie sich wegen ihrer Lider beraten lassen. Die würden sich schon schwer senken.

An der Praxiswand hängen Vorher-Nachher-Fotos von Brüsten, Oberschenkeln, Segelohren und einem haarigen Männerbauch. Patrick Urban, stets bei Bewusstsein, hat "großes Vertrauen" zu seinem Arzt. Denn schließlich "waren schon fast alle Missen" unter dessen Messer. Er kenne kaum eine, "die sich nicht hat zurechtschnippeln lassen". Da glaubt man also, die Damen würden gewählt, weil sie schon schön sind. Tatsächlich werden sie sich nach der Wahl ihrer Unzulänglichkeiten erst richtig bewusst.

Toller Zufall, dass die MGO, die Miss Germany Organisation, da einen kooperierenden Arzt weiß. Yasar Sarigül hat eine Praxis in Istanbul und eine in Berlin. Jede Menge Nasen gehen auf sein Konto. Um sechseinhalbtausend Mark koste so eine Nase, etwa drei das Kinn. Wer sich die Brust vergrößern lässt, trägt den Gegenwert eines Kleinwagens vor sich her, also um die 9000 Mark. Dafür "steht sie dann auch im Liegen", sagt Patrick Urban. Für ihn ist die Operation kostenlos. Wahrscheinlich wegen der Werbung. Die Nacht verbringt er bei seinem Chirurgen zu Hause.

Der hat jetzt sein Tagewerk getan. Die Schwester wäscht den Schlauch aus, durch den vorhin Patrick Urbans zweites Kinn geflossen ist. Es waren bloß vier Milliliter Fett.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben